Frau hält ihr Handgelenk – Gelenkschmerzen in den Wechseljahren verstehen und behandeln

Gelenkschmerzen in den Wechseljahren: Ursachen, Symptome und was wirklich hilft

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Frau hält ihr Handgelenk – Gelenkschmerzen in den Wechseljahren verstehen und behandeln

Gemeinsam schauen wir auf

Gelenkschmerzen in den Wechseljahren: Das Wichtigste auf einen Blick

  • Häufig, aber nicht automatisch hormonell. In der Perimenopause haben 57 Prozent, nach der Menopause 59 Prozent der Frauen Muskel- oder Gelenkschmerzen. Vor den Wechseljahren sind es aber auch schon 40 Prozent.
  • Östrogen wirkt auf das Gelenk, der genaue Zusammenhang ist offen. Wechseljahresbedingte Gelenkschmerzen sind eine Ausschlussdiagnose, denn Arthrose, Rheuma oder eine Schultersteife können im selben Alter beginnen.
  • Bewegung ist die Basis. Bei Arthrose ist gezieltes Training die Kernbehandlung, bei Übergewicht hilft zusätzlich Abnehmen.
  • Hormontherapie hilft messbar, aber eher wenig. Empfohlen wird sie vor allem bei Hitzewallungen, die Entscheidung triffst du gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
  • Warnzeichen ernst nehmen. Morgensteifigkeit über 30 Minuten oder geschwollene Gelenke zeitnah ärztlich abklären. Ein plötzlich heißes, gerötetes Gelenk gehört auch ohne Fieber noch am selben Tag in ärztliche Hände, neue Kopfschmerzen mit Kieferschmerz oder Sehstörungen ab 50 sofort.

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Gelenkschmerzen in den Wechseljahren: Wie häufig sind sie wirklich?

Steife Finger am Morgen, das Knie beim Treppensteigen, die Schulter beim Anziehen der Jacke: Viele Frauen bemerken solche Beschwerden erstmals rund um die letzte Periode und fragen sich, ob die Hormone dahinterstecken. Kurz gesagt: Gelenkschmerzen in den Wechseljahren sind häufig, und ein Zusammenhang mit dem Hormonwechsel ist wahrscheinlich. Trotzdem ist nicht jeder Gelenkschmerz in diesem Alter hormonell bedingt.

Eine große Auswertung ist 2026 erschienen: Ein Team der McMaster University in Kanada hat 37 Beobachtungsstudien aus 22 Ländern mit zusammen 93.021 Frauen ausgewertet. Muskel- oder Gelenkschmerzen hatten 57 Prozent der Frauen in der Perimenopause und 59 Prozent nach der Menopause, vor den Wechseljahren bereits 40 Prozent. Perimenopause und Postmenopause unterschieden sich also kaum.

Fast alle Studien waren Momentaufnahmen, die Ergebnisse schwanken stark, und das Alter spielt mit. In einer Langzeitbeobachtung aus Seattle nahmen Gelenkschmerzen eher mit dem Lebensalter zu als mit dem Menopausestatus.

Die britische NICE-Leitlinie zur Menopause zählt Gelenk- und Muskelschmerzen ausdrücklich zu den möglichen Wechseljahressymptomen. Sie stehen deshalb auch in unserer Übersicht aller Wechseljahre-Symptome. Die deutsche S3-Leitlinie zur Peri- und Postmenopause (AWMF 015-062) stammt in ihrer letzten gültigen Fassung von 2020 und war bis Ende 2024 gültig. Seit Juni 2026 liegt eine überarbeitete Konsultationsfassung vor; die endgültige Fassung steht noch aus. Eine eigene Empfehlung zu Gelenkschmerzen enthält die Fassung von 2020 nicht.

Zu den Fachbegriffen: Arthralgie heißt Gelenkschmerz ohne Angabe einer Ursache, Arthritis dagegen Gelenkentzündung, etwa bei Rheuma. „Arthralgie in den Wechseljahren“ ist also keine Diagnose.

Was Östrogen mit deinen Gelenken zu tun hat und was noch offen ist

Auch im Gelenk sitzen Andockstellen für Östrogen: im Knorpel, im Knochen direkt darunter und in der Gelenkinnenhaut. Hohe Östrogenspiegel erzeugen nach heutigem Wissen eher ein entzündungshemmendes Milieu, niedrige Spiegel können Entzündungen begünstigen. Vieles davon stammt allerdings aus Tierversuchen. Was ein sinkender Spiegel sonst bewirkt, erklärt der Beitrag über die typischen Folgen eines Östrogenmangels.

In einer MRT-Studie mit 860 Frauen war der Kniegelenkknorpel bei Frauen in und nach den Wechseljahren stärker verändert als bei Frauen davor, auch nach Herausrechnen des Alters. Ein Beweis für den Hormonabfall als Ursache ist das nicht. Die nordamerikanische Menopause-Fachgesellschaft (heute The Menopause Society) nennt den genauen Effekt von Östrogen auf Arthrose umstritten.

Gelenk- und Muskelschmerzen in den Wechseljahren

Gelenk- und Muskelschmerzen werden in Studien meist gemeinsam erfasst, die Zahlen oben gelten also für beides. NICE empfiehlt, Muskelmasse und Kraft durch Bewegung zu erhalten; eine Anleitung bietet der Beitrag zum Krafttraining für den Einstieg.

Knochenschwund ist etwas anderes: Osteoporose verursacht lange keine Beschwerden und fällt oft erst durch einen Bruch auf, mehr im Beitrag Osteoporose in den Wechseljahren.

Wo es wehtut: Finger, Knie, Schulter, Hüfte und Füße

Finger und Hände

Hinter schmerzenden Fingergelenken steckt oft eine Fingerarthrose. In einer großen deutschen Erhebung wurden etwa 2 Prozent der Erwachsenen innerhalb eines Jahres deswegen behandelt. Typisch sind Schmerzen bei Belastung, manchmal entstehen knotige Verdickungen, die Heberden-Knoten.

Auffällig ist der zeitliche Bezug zur Menopause: Bei 82 Frauen nach der Menopause, die wegen Handarthrose in eine Spezialambulanz kamen, begannen die Handbeschwerden im Median 3 Jahre nach der letzten Periode, bei 59 Prozent innerhalb von vier Jahren davor oder danach. Bei 22 von 29 Frauen, die früher eine Hormontherapie genommen hatten, begannen die Beschwerden erst nach dem Absetzen, im Median 6 Monate danach. Die Studie ist klein und rückblickend, ob der Hormonmangel die Arthrose auslöst, kann sie nicht klären.

Wichtig: Sind Fingergrund- oder Fingermittelgelenke beidseits warm, geschwollen und morgens lange steif, kann eine rheumatoide Arthritis dahinterstecken. Sie trifft Frauen zwei- bis dreimal so oft wie Männer, und eine frühe Behandlung beugt Gelenkschäden vor, also bitte zeitnah abklären. Werden die Finger dagegen vor allem nachts taub oder kribbeln sie, liegt eher ein Nervenproblem wie ein Karpaltunnelsyndrom vor, mehr dazu im Beitrag über Kribbeln und Brennen in Händen und Füßen. Bei Fingerarthrose erleichtern Ergotherapie sowie Greif- und Öffnungshilfen den Alltag.

Knie und Hüfte

Knie und Hüfte gehören zu den häufigsten Orten einer Arthrose: In derselben Erhebung waren 4 Prozent der Erwachsenen wegen Knie- und 2 Prozent wegen Hüftarthrose in Behandlung. Weltweit stellen Frauen mehr als 60 Prozent aller Arthrosefälle. Typisch sind Belastungsschmerz und Anlaufschmerz, etwa beim Aufstehen nach längerem Sitzen.

Schulter

Ist die Schulter schmerzhaft und kaum beweglich, steckt häufig eine Schultersteife (Frozen Shoulder) dahinter. In einer Studie mit Frauen, die wegen Schulterschmerzen untersucht wurden, war sie die häufigste Diagnose: bei 35 Prozent der Frauen in der Perimenopause und bei 32 Prozent der Frauen vor den Wechseljahren, also ohne bedeutsamen Unterschied. Eine Entzündung der Gelenkinnenhaut der Schulter wurde bei den Frauen in der Perimenopause dagegen deutlich häufiger festgestellt (25,1 gegenüber 6,2 Prozent).

Schmerzen beide Schultern, Nacken und Hüften und bist du morgens länger als 45 Minuten steif, kommt ab 50 eine Polymyalgia rheumatica infrage. Sie betrifft meist Menschen über 65, häufiger Frauen. Bis zu jede fünfte Betroffene entwickelt zusätzlich eine Riesenzellarteriitis, eine Entzündung von Arterien an Kopf und Hals (Warnzeichen weiter unten).

Beine und Füße

Beinschmerzen können von Knie oder Hüfte ausgehen, aber auch von Nerven, Muskeln oder Venen. Brennende Zehen oder taube, kribbelnde Füße sprechen eher für gereizte Nerven (mehr im Kribbeln-Beitrag oben). Ein plötzlich heißes, gerötetes oder stark geschwollenes Gelenk, etwa am Fuß, gehört auch ohne Fieber noch am selben Tag in ärztliche Hände, denn dahinter kann eine Gelenkinfektion oder eine Gicht stecken. Ein plötzlich einseitig geschwollenes, schmerzendes Bein muss rasch auf eine Thrombose untersucht werden. Kommen Atemnot oder Brustschmerzen hinzu, wähle sofort die 112. Schmerzen, die dich nachts wecken, gehören ebenfalls in die Praxis.

Wechseljahre, Arthrose oder Rheuma? So grenzt du die Ursache ab

Ein sicher erkennbares Muster für „hormonelle“ Gelenkschmerzen gibt es nicht, selbst die Wechseljahres-Studien haben konkrete Diagnosen wie Arthrose oder Sehnenreizungen kaum erfasst. Diese Übersicht hilft beim Einordnen, ersetzt aber keine Untersuchung:

  • Wechseljahresbedingt (erst nach Ausschluss anderer Ursachen): passt eher ohne Schwellung, Rötung oder Überwärmung, bei kurzer Morgensteifigkeit und weiteren Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen oder Schlafstörungen. Was tun: Bewegung als Basis; halten die Beschwerden mehrere Wochen an, ärztlich abklären lassen, denn Arthrose oder Rheuma können anfangs ähnlich wirken.
  • Arthrose: meist nach dem 40. Lebensjahr, Schmerz bei Belastung und beim Anlaufen, Morgensteifigkeit höchstens 30 Minuten, Schwellungen fest und nicht ungewöhnlich warm. Was tun: gezielte Bewegung, bei Übergewicht abnehmen, Schmerzmittel nach Bedarf.
  • Rheumatoide Arthritis und andere Gelenkentzündungen: warme, geschwollene Gelenke, Morgensteifigkeit über 30 Minuten (bei rheumatoider Arthritis oft über eine Stunde), meist die gleichen Gelenke auf beiden Seiten. Was tun: zeitnah ärztlich abklären, etwa mit Blutuntersuchung und Ultraschall.
  • Polymyalgia rheumatica: ab 50, Schultern, Nacken und Hüften über 45 Minuten steif, manchmal mit Müdigkeit und Gewichtsverlust. Was tun: bald ärztlich abklären, bei Kopfschmerzen oder Sehstörungen sofort.
  • Schultersteife: meist eine Schulter, Beweglichkeit deutlich eingeschränkt. Was tun: ärztlich untersuchen lassen.
  • Schilddrüse: Gelenkbeschwerden mit ausgeprägter Müdigkeit können auch von der Schilddrüse kommen. Was tun: in der Praxis ansprechen, mehr unter Schilddrüse oder Wechseljahre.

Was bei der Ärztin oder beim Arzt passiert

Entscheidend sind Gespräch und Untersuchung: Welche Gelenke, seit wann, wie lange dauert die Morgensteifigkeit? Ob du in den Wechseljahren bist, wird ab etwa 45 in der Regel anhand von Alter, Zyklusveränderungen und Beschwerden festgestellt. Ein einzelner Hormonwert hilft in der Perimenopause wenig, weil die Werte stark schwanken; Laborwerte sind nur in bestimmten Situationen sinnvoll, etwa bei Beschwerden vor 45. Mehr dazu im Beitrag Perimenopause-Anzeichen richtig deuten. Ob ein Gelenkschmerz hormonell bedingt ist, könnte ein Hormonwert ohnehin nicht zeigen.

Blut, Ultraschall oder MRT helfen vor allem, eine rheumatoide Arthritis oder Gicht auszuschließen. Ab 45 kann eine Arthrose laut NICE ohne Röntgenbild festgestellt werden, wenn die Schmerzen bei Aktivität auftreten und die Gelenke morgens nicht lange steif sind. Zur Vorbereitung hilft unsere Checkliste für den Arzttermin.

Was gegen Gelenkschmerzen in den Wechseljahren hilft: nach Evidenz sortiert

Studien speziell zu wechseljahresbedingten Gelenkschmerzen gibt es kaum, die besten Daten stammen aus Arthrose-Forschung und Hormonstudien.

Gut belegt: Bewegung und, bei Übergewicht, Abnehmen

Bei Arthrose ist gezielte Bewegung die Kernbehandlung. NICE empfiehlt ein individuell zugeschnittenes Programm, etwa Kräftigung der Muskeln rund ums Gelenk plus Ausdauertraining. Laut IQWiG versorgt Bewegung den Knorpel mit Nährstoffen, kräftige Muskeln und Bänder stabilisieren das Gelenk.

Laut NICE können die Schmerzen zu Beginn eines Trainings zunehmen, regelmäßiges Üben nützt den Gelenken trotzdem langfristig. Ein pauschales Laufverbot lässt sich daraus nicht ableiten. Steigere die Belastung langsam und lass eine neue Schwellung abklären. Anregungen findest du im Überblick über Sportarten, die in den Wechseljahren gut passen.

Bei Übergewicht ist laut NICE jede Gewichtsabnahme wahrscheinlich hilfreich, für eine spürbare Besserung nennt das IQWiG mindestens 5, besser etwa 10 Prozent. Bei Knie- oder Hüftarthrose kannst du gut sitzende Schuhe mit fester, etwas dickerer Sohle ausprobieren, ein Gehstock kann entlasten.

Bei Arthrose belegt: Schmerzmittel, erst Gel, dann Tablette

Laut NICE sollen Medikamente die Bewegung unterstützen, so niedrig dosiert und kurz wie möglich. Bei Kniearthrose empfiehlt NICE zuerst ein entzündungshemmendes Schmerzgel (NSAR), bei anderen Gelenken kann es ebenfalls erwogen werden. Tabletten dieser Gruppe, etwa Ibuprofen, kommen erst danach infrage, weil sie Magen, Darm, Nieren, Leber und Herz belasten können. NICE empfiehlt dazu einen Magenschutz. Bei weiteren Medikamenten oder Magen-, Nieren- oder Herzproblemen sprich vorher mit Praxis oder Apotheke. Für Paracetamol gibt es bei Arthrose keinen starken Nutzennachweis. Kortisonspritzen ins Gelenk lindern nur für 2 bis 10 Wochen, wiederholte Spritzen können laut IQWiG den Knorpel schwächen.

Belegt, aber kleiner Effekt: Hormontherapie

Die besten Daten stammen aus der placebokontrollierten US-Studie Women’s Health Initiative (WHI) mit Frauen zwischen 50 und 79 Jahren. Unter Östrogen allein hatten nach einem Jahr 76,3 Prozent Gelenkschmerzen, unter Placebo 79,2 Prozent. Unter Östrogen plus Gestagen berichteten nach einem Jahr 47,1 Prozent der Frauen mit Gelenkbeschwerden eine Besserung, unter Placebo 38,4 Prozent. Die Menopause-Fachgesellschaft wertet den Vorteil als gut belegt, die Zahlen zeigen aber: Er ist eher klein.

Nach dem Absetzen von Östrogen plus Gestagen berichteten mehr Frauen über Gelenkbeschwerden. Ob eine Hormontherapie das Arthrose-Risiko beeinflusst, ist offen: Einige Studien fanden ein höheres Kniearthrose-Risiko, insgesamt sieht die Fachgesellschaft aber keinen klaren Zusammenhang und zu wenig Daten für sichere Schlüsse. Die Leitlinien empfehlen eine Hormontherapie vor allem bei Hitzewallungen und Schweißausbrüchen, nicht als Gelenkmittel. Ob sie für dich passt, entscheidest du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, mehr im Beitrag Hormonersatztherapie: Nutzen und Risiken.

„Natürlich behandeln“: Pflanzen und Nahrungsergänzung eingeordnet

„Natürlich“ heißt nicht automatisch wirksam. Das IQWiG zählt pflanzliche Arzneien, Nahrungsergänzungsmittel und Hyaluronsäure-Spritzen bei Arthrose zu den Behandlungen ohne nachgewiesenen Nutzen.

  • Teufelskralle (Nutzen nicht belegt): Die Europäische Arzneimittel-Agentur führt sie nur als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei leichten Gelenkschmerzen, gestützt allein auf langjährige Anwendung. Nicht geeignet bei aktivem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür, bei Gallensteinen vorher ärztlich fragen. Möglich sind Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Schwindel und allergische Reaktionen. Nach vier Wochen ohne Besserung ärztlich abklären.
  • Glucosamin (nicht empfohlen): NICE rät ab, es gibt keinen starken Nutzennachweis.
  • Hyaluronsäure-Spritzen, Akupunktur, TENS (nicht empfohlen): NICE empfiehlt keine davon bei Arthrose.
  • Vitamin D, Kollagen, Omega-3, Kurkuma (Nutzen nicht belegt): Keine der ausgewerteten Leitlinien empfiehlt sie gegen Gelenkschmerzen. Vitamin D ist vor allem für die Knochen wichtig, einen Mangel kläre besser ärztlich.
  • Ernährung (Nutzen nicht belegt): Zur Wirkung bestimmter Ernährungsweisen auf Arthrose gibt es laut IQWiG nicht genug Forschung. Der belegte Ernährungshebel ist das Körpergewicht. Worauf es beim Essen für Knochen und Muskeln ankommt, erklärt der Beitrag zur Ernährung in den Wechseljahren.

Wann du ärztlich abklären lassen solltest

  • Selbst beobachten (einige Wochen): leichte Beschwerden ohne Schwellung, Rötung oder Überwärmung, Morgensteifigkeit kürzer als 30 Minuten, keine Zunahme, kein Fieber.
  • In den nächsten Tagen bis Wochen in die Praxis: Schmerzen über mehrere Wochen oder zunehmend, Morgensteifigkeit über 30 Minuten, eine langsam entstandene, nicht überwärmte Schwellung oder Schmerzen, die dich nachts wecken.
  • Noch am selben Tag: ein plötzlich heißes, gerötetes oder stark geschwollenes Gelenk, mit oder ohne Fieber, oder ein plötzlich einseitig geschwollenes, schmerzendes Bein. Außerhalb der Sprechzeiten: ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117.
  • Sofort, nicht abwarten: ab 50, vor allem bei Steifigkeit in Schultern oder Hüften, neue oder ungewohnte Kopfschmerzen, empfindliche Kopfhaut, Kiefer- oder Zungenschmerz beim Essen oder Sprechen oder Doppelbilder: umgehend in die Praxis oder 116 117. Bei plötzlichem Sehverlust auf einem oder beiden Augen oder bei Atemnot, Brustschmerzen oder Herzrasen zu einem geschwollenen Bein: 112.

Häufige Fragen zu Gelenkschmerzen in den Wechseljahren

Können Gelenkschmerzen von den Hormonen kommen?

Ein Zusammenhang ist wahrscheinlich: Muskel- und Gelenkschmerzen sind in und nach den Wechseljahren häufiger als davor (57 und 59 gegenüber 40 Prozent), und das Gelenkgewebe hat Östrogenrezeptoren. Ein Beweis für den Östrogenmangel als Ursache fehlt, das Alter spielt mit. Ob du in den Wechseljahren bist, wird ab etwa 45 meist anhand von Alter, Zyklus und Beschwerden festgestellt; ein einzelner Hormonwert hilft wegen der starken Schwankungen wenig.

Warum schmerzen in den Wechseljahren oft die Finger?

Häufig steckt eine Fingerarthrose dahinter, die bei vielen Frauen rund um die letzte Periode beginnt, in einer Studie im Median 3 Jahre danach. Sind die Fingergelenke dagegen warm, geschwollen und morgens lange steif, sollte eine rheumatoide Arthritis zeitnah abgeklärt werden.

Gehen Gelenkschmerzen nach den Wechseljahren wieder weg?

Nicht automatisch: Nach der Menopause sind sie ähnlich häufig wie in der Perimenopause. Bei Arthrose ist der Verlauf nicht vorhersagbar, oft langsam, manchmal lassen die Beschwerden sogar nach. Bewegung und eine Abklärung der Ursache lohnen sich deshalb.

Wie kann ich Gelenkschmerzen in den Wechseljahren natürlich behandeln?

Am besten belegt sind gezielte Bewegung und bei Übergewicht eine Gewichtsabnahme von mindestens 5, besser etwa 10 Prozent. Die Europäische Arzneimittel-Agentur stuft Teufelskralle nur als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein, wegen langjähriger Anwendung, nicht wegen belegter Wirksamkeit. Bei Magengeschwür ist sie ungeeignet, bei Gallensteinen vorher ärztlich fragen; hilft sie nach vier Wochen nicht, lass die Ursache abklären. Glucosamin wird nicht empfohlen, für eine Gelenk-Diät fehlen Belege.

Welche Medikamente helfen bei Gelenkschmerzen in den Wechseljahren?

Eigene Studien dazu gibt es kaum, die Empfehlungen stammen aus der Arthrose-Behandlung: Bei Arthrose, vor allem am Knie, ist ein entzündungshemmendes Schmerzgel der erste Schritt, Tabletten wie Ibuprofen kommen erst danach infrage, möglichst kurz und niedrig dosiert. Weil sie Magen, Nieren und Herz belasten können, sprich bei Vorerkrankungen, weiteren Medikamenten oder längerer Einnahme vorher mit Praxis oder Apotheke. Eine Hormontherapie senkt Gelenkschmerzen messbar, aber eher wenig, und ist vor allem bei Hitzewallungen angezeigt.

Wechseljahre oder Rheuma: Woran erkenne ich den Unterschied?

Für eine Entzündung wie Rheuma sprechen warme, geschwollene Gelenke und eine Morgensteifigkeit über 30 Minuten, oft an den gleichen Gelenken beider Seiten. Sind ab 50 Schultern, Nacken und Hüften länger als 45 Minuten steif, kommt eine Polymyalgia rheumatica infrage. Sicherheit gibt nur die ärztliche Untersuchung.

Hat Progesteronmangel etwas mit Gelenkschmerzen zu tun?

Dafür gibt es keine belastbaren Daten. Die Hormonstudien zu Gelenkschmerzen haben Östrogen allein oder Östrogen plus Gestagen untersucht, nicht Progesteron allein. Welche Rolle das Hormon sonst spielt, erklärt der Beitrag über Progesteron in der Perimenopause.

Expertenwissen: Was die Placebogruppe der WHI über Gelenkschmerzen verrät

Der aufschlussreichste Wert der WHI stammt aus der Placebogruppe: Auch ohne Wirkstoff berichteten fast vier von zehn Frauen mit Gelenkbeschwerden nach einem Jahr eine Besserung. Gelenkschmerzen schwanken also stark, auch ohne Behandlung. Wenn es dir unter einer Hormontherapie besser geht, beweist das deshalb nicht, dass der Hormonmangel die Ursache war.

Zudem prüfte die WHI nur ein bestimmtes Östrogen als Tablette (konjugierte Pferdeöstrogene), allein oder zusammen mit einem synthetischen Gestagen, bei Frauen ab 50. Ob sich das auf heutige Präparate wie Gel oder Pflaster und auf jüngere Frauen übertragen lässt, ist offen. Weil nach dem Absetzen mehr Frauen Gelenkbeschwerden hatten, besprichst du ein geplantes Ende der Therapie am besten ärztlich.

Wissenschaftliche Quellen

Die Inhalte zu Gelenkschmerzen in den Wechseljahren stützen sich auf aktuelle medizinische Leitlinien, systematische Übersichtsarbeiten und Informationen von Fachgesellschaften. Stand: Oktober 2026.

Hinweis: Dieser Artikel ist sorgfältig recherchiert, ersetzt aber keine ärztliche Beratung. Bitte lass Gelenkschmerzen, die wochenlang anhalten oder mit Schwellung oder langer Morgensteifigkeit einhergehen, ärztlich abklären. Ein plötzlich heißes, gerötetes oder stark geschwollenes Gelenk (auch ohne Fieber) oder ein plötzlich einseitig geschwollenes Bein gehört noch am selben Tag in ärztliche Hände, neue Kopfschmerzen mit Kieferschmerz oder Sehstörungen ab 50 sofort. Bei plötzlichem Sehverlust, Atemnot oder Brustschmerzen: Notruf 112. Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117. Schmerzmittel bitte nicht ohne Rücksprache dauerhaft einnehmen; eine Hormontherapie gehört immer in ärztliche Begleitung.

Geschrieben von:

Anna Neumann

Anna Neumann

Gesundheitsjournalistin & Expertin für Frauenwohlbefinden

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Anna Neumann

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