Hausmittel in den Wechseljahren: Das Wichtigste auf einen Blick
- Hausmittel machen manches erträglicher, belegt ist wenig. Kühlen oder leichte Kleidung tun gut. Dass sie Hitzewallungen seltener machen, ist nicht belegt.
- Am besten untersucht sind Pflanzenpräparate, nicht Tees. Isoflavon-Präparate verringerten Hitzewallungen nach der Menopause in Studien etwas, sind unter Fachleuten aber umstritten und nicht für jede Frau geeignet. Bei der Traubensilberkerze sind die Ergebnisse widersprüchlich.
- Viele Klassiker sind vor allem Tradition. Für Salbei, Baldrian oder Melisse fehlt ein verlässlicher Wirkungsnachweis, Leinsamen half in einer Studie nicht besser als Placebo.
- Pflanzlich heißt nicht harmlos. Johanniskraut kann die Wirkung der Pille abschwächen, Traubensilberkerze kann die Leber schädigen (Häufigkeit unbekannt), und von Ashwagandha rät das Bundesinstitut für Risikobewertung ab.
- Bei starken Beschwerden gibt es wirksame Hilfe. Eine Hormontherapie lindert Hitzewallungen am stärksten, eine kognitive Verhaltenstherapie macht sie weniger belastend. Was zu dir passt, besprichst du mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt.
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Was Hausmittel in den Wechseljahren leisten können – und was nicht
Viele Frauen möchten Hitzewallungen, Schlafprobleme oder Stimmungsschwankungen zuerst mit Hausmitteln angehen, bevor sie über eine Hormonersatztherapie nachdenken. Nach Angaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) nutzen in Deutschland 15 bis 17 von 100 Frauen rezeptfreie pflanzliche Arzneimittel, vor allem bei leichten Beschwerden.
Das Beruhigende vorweg: Die Wechseljahre sind keine Krankheit (mehr dazu bei den verbreiteten Irrtümern über die Wechseljahre), und Hitzewallungen lassen laut IQWiG bei fast allen Frauen auch ohne Behandlung mit der Zeit nach. Das kann allerdings dauern: Meist halten sie einige Jahre an, in der großen US-Studie SWAN oft deutlich länger, vor allem bei frühem Beginn (mehr dazu bei den ersten Anzeichen der Perimenopause). Das Ehrliche: Die meisten Hausmittel sind kaum untersucht, einige halfen in Studien nicht besser als ein Scheinpräparat.
Dass trotzdem viele Frauen auf Salbeitee oder Leinsamen schwören, liegt auch am Placebo-Effekt: Die nordamerikanische Fachgesellschaft The Menopause Society beziffert die Besserung unter Scheinmitteln in Studien zu nicht hormonellen Behandlungen auf 20 bis 66 Prozent. Weil Hitzewallungen zudem von selbst nachlassen, wirkt auch ein wirkungsloses Mittel leicht wie ein Erfolg. Dieser Ratgeber sortiert deshalb, was belegt ist, was Tradition ist und wo pflanzlich riskant wird.
Der Hausmittel-Check: belegt, unklar oder nicht wirksam?
Die Einordnung nach Leitlinien, IQWiG und Fachgesellschaften bezieht sich vor allem auf Hitzewallungen, weil es dazu die meisten Studien gibt.
- Möglicher kleiner Nutzen, aber umstritten: Isoflavon-Präparate aus Soja oder Rotklee nach der Menopause und Arzneimittel mit Traubensilberkerze. Die deutsche S3-Leitlinie von 2020 sagt mit ihrem schwächsten Empfehlungsgrad, sie „können“ angewendet werden. The Menopause Society empfiehlt weder Soja-Präparate noch Traubensilberkerze.
- Gut fürs Wohlbefinden, gegen Hitzewallungen nicht belegt: Kühlen, Schichtenkleidung, Auslöser meiden, Bewegung, Yoga, Entspannung und Atemübungen. The Menopause Society führt sie gegen Hitzewallungen als „nicht empfohlen“, weil ein Nutzen nicht nachgewiesen ist.
- Tradition ohne verlässlichen Nachweis: Salbei-, Frauenmantel- und andere Kräutertees, Baldrian, Hopfen, Passionsblume, Melisse, Wechselduschen und Pfefferminzöl.
- Geprüft, aber ohne verlässlichen Nutzen: Leinsamen, Mönchspfeffer, Ginseng und Nachtkerzenöl. Bei Omega-3-Fettsäuren widersprechen sich die Studien.
- Vorsicht oder besser meiden: Ashwagandha, Yams-Cremes (in Tests teils mit nicht deklarierten Hormonen), Dong Quai (laut The Menopause Society ohne Nutzen, aber mit Risiken wie Lichtempfindlichkeit und Einfluss auf die Blutgerinnung), Kava (laut IQWiG sind Leberschäden möglich, die Zulassungsbehörden haben Präparate in Deutschland vom Markt genommen) und Johanniskraut ohne ärztliche Absprache.
Am besten belegt sind gegen Hitzewallungen keine Hausmittel, sondern Behandlungen wie die Hormontherapie oder eine kognitive Verhaltenstherapie (siehe „Wann Hausmittel nicht mehr reichen“).
Hausmittel nach Beschwerden: was du ausprobieren kannst und was nicht
Bei Hitzewallungen und Nachtschweiß
Kühlen und Kleidung: Dünne Schichten, ein Fächer und ein kühles Schlafzimmer machen eine Hitzewelle erträglicher. Dass sie dadurch seltener wird, ist laut The Menopause Society nicht belegt.
Auslöser beobachten: Ob der Verzicht auf starken Kaffee, Alkohol oder scharfe Gewürze hilft, ist laut IQWiG unklar. Da Frauen unterschiedlich reagieren, ist Ausprobieren aber erlaubt. Welche Auslöser von Hitzewallungen infrage kommen und was dabei im Körper passiert, erklären wir ausführlich.
Salbeitee: Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) führt Salbeiblätter als traditionelles pflanzliches Arzneimittel gegen übermäßiges Schwitzen. Traditionell heißt: registriert allein aufgrund langjähriger Anwendung, nicht aufgrund von Wirksamkeitsstudien. Wenn du Salbeitee magst, probier ihn aus, außer in Schwangerschaft und Stillzeit (EMA). Bessert sich das Schwitzen nach sechs Wochen nicht, lass es ärztlich abklären. Salbeiöl nicht einnehmen: In einer Menge, die mehr als 15 Gramm Salbeiblättern entspricht, kann es laut EMA Hitzegefühl, Herzrasen, Schwindel und Krampfanfälle auslösen.
Leinsamen: In einer Placebo-kontrollierten Studie mit 188 Frauen nach der Menopause, teils nach Brustkrebs, wirkte ein Leinsamen-Riegel über sechs Wochen nicht besser gegen Hitzewallungen als ein Riegel ohne Leinsamen. Als Lebensmittel ist er in Ordnung (laut Verbraucherzentrale höchstens zwei Esslöffel am Tag).
Bei Schlafproblemen
Baldrian, Hopfen, Passionsblume und Melisse sind Klassiker, doch laut IQWiG gibt es keine Belege, dass pflanzliche Mittel Schlafstörungen lindern. Ernste Nebenwirkungen sind gewöhnlich nicht zu erwarten, mit anderen Beruhigungsmitteln vertragen sich manche aber nicht. Als Abendritual dürfen Tee, Lavendelduft oder ein warmes Bad trotzdem bleiben, solange du keine Schlafmittel-Wirkung erwartest.
Magnesium gilt als Einschlafhilfe, verlässlich belegt ist das nicht: Eine Übersichtsarbeit fand 2021 nur drei kleine Studien von geringer Aussagekraft, alle mit älteren Erwachsenen. Wer trotzdem ein Präparat nimmt: Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät zu höchstens 250 Milligramm am Tag aus Nahrungsergänzungsmitteln, verteilt auf mindestens zwei Portionen, weil mehr Durchfall auslösen kann. Bei einer Nierenerkrankung nur nach ärztlicher Rücksprache.
Bleibt der Schlaf über Wochen schlecht, lohnt ein anderer Weg: In einer gemeinsamen Auswertung von vier US-Studien mit gut 1.000 Frauen profitierten Frauen mit Hitzewallungen und Schlaflosigkeit von einer kognitiven Verhaltenstherapie gegen Schlaflosigkeit (The Menopause Society). Mehr dazu im Artikel Schlafstörungen in den Wechseljahren: was wirklich hilft.
Bei Stimmungstiefs und innerer Unruhe
Bewegung hebt laut IQWiG bei vielen Frauen die Stimmung und stärkt Muskeln und Knochen, auch wenn sie Hitzewallungen nach bisherigen Studien nicht lindert. Langsames Atmen war gegen Hitzewallungen in zwei größeren Studien mit 208 und 92 Frauen nicht besser als normales Atmen.
Nicht zum Ausprobieren auf eigene Faust sind dagegen Johanniskraut und Ashwagandha. Johanniskraut hilft laut Patientenblatt zur Nationalen VersorgungsLeitlinie (NVL) Depression bei leichter bis mittelschwerer Depression besser als Placebo. Nur dafür empfehlen Fachleute es, nicht bei bloßen Stimmungsschwankungen. Ob eine Depression vorliegt, klärst du ärztlich. Dann kann deine Ärztin oder dein Arzt ein zugelassenes Johanniskraut-Arzneimittel als ersten Behandlungsversuch anbieten; Drogerieprodukte enthalten sehr unterschiedliche Wirkstoffmengen. Mögliche Nebenwirkungen sind vor allem Lichtempfindlichkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Müdigkeit und Unruhe.
Ashwagandha (Schlafbeere) wird gegen Stress beworben. Das BfR hält die Wirkungen für nicht belegt, sieht Hinweise auf Effekte auf Cortisol, Blutzucker, Schilddrüsen- und Sexualhormone sowie Fallberichte über Leberschäden. Gemeinsam mit anderen europäischen Behörden rät es von Ashwagandha-Präparaten ab, ausdrücklich bei bestehender oder früherer Lebererkrankung sowie in Schwangerschaft und Stillzeit.
Hält die Niedergeschlagenheit über Wochen an oder kommen Hoffnungslosigkeit und Gedanken an den Tod dazu, ist das kein Fall für Hausmittel. Woran du eine Depression in den Wechseljahren erkennst, erklären wir ausführlich. Bei Suizidgedanken erreichst du die Telefonseelsorge rund um die Uhr und kostenfrei unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Bist du in akuter Gefahr, wähle sofort 112.
Bei trockenen Schleimhäuten
Eine trockene Scheide hängt in den Wechseljahren mit dem sinkenden Östrogenspiegel zusammen, mehr dazu unter Östrogenmangel. Die britische NICE-Leitlinie empfiehlt in erster Linie lokales Östrogen, das deine Frauenärztin oder dein Frauenarzt verschreiben kann; schwerwiegende Nebenwirkungen sind sehr selten. Nicht hormonelle Feuchtigkeitsgele und Gleitmittel kannst du zusätzlich nutzen, oder sie sind die Alternative, wenn Östrogen nicht infrage kommt oder du es nicht möchtest. Mehr zu Scheidentrockenheit in den Wechseljahren.
Traubensilberkerze und Isoflavone: was die IQWiG-Auswertungen 2025 zeigen
Für zwei Pflanzenmittel hat das IQWiG 2025 die Studien für die Überarbeitung der deutschen S3-Leitlinie zur Peri- und Postmenopause (AWMF 015-062) neu ausgewertet. Die Leitlinie stammt in ihrer letzten gültigen Fassung von 2020 und war bis Ende 2024 gültig. Seit Juni 2026 liegt eine überarbeitete Konsultationsfassung vor; die endgültige Fassung steht noch aus. Wie Phytoöstrogene im Körper wirken, erklärt der Artikel über pflanzliche Hormone in den Wechseljahren.
Traubensilberkerze (Cimicifuga)
Wie die Traubensilberkerze wirkt und welche Inhaltsstoffe entscheidend sind, ist laut EMA nicht bekannt. Die Studienlage ist widersprüchlich:
- IQWiG 2025: Von sieben gefundenen Studien lieferten vier verwertbare Daten. Über alle Phasen der Wechseljahre zeigte sich in zwei Studien mit zusammen gut 150 Frauen ein Vorteil gegenüber Placebo bei Hitzewallungen und Schwitzen, für Frauen nach der Menopause allein kein signifikanter Unterschied.
- Cochrane-Übersicht 2012 (16 Studien, 2.027 Frauen): Im direkten Vergleich mit Placebo (3 Studien, 393 Frauen) unterschied sich die Häufigkeit der Hitzewallungen nicht. Eine Hormontherapie war wirksamer.
- NICE sieht „einige Hinweise“ auf einen Nutzen, betont aber, dass die Sicherheit der Präparate unsicher ist und Wechselwirkungen berichtet wurden.
Etwa 5 von 100 Frauen berichten über Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen oder Hautrötungen (IQWiG). Ernst zu nehmen sind mögliche Leberschäden, deren Häufigkeit laut EMA unbekannt ist. Nimm Traubensilberkerze deshalb nur nach ärztlicher Rücksprache: Nach Brustkrebs oder zusammen mit einer Östrogentherapie rät das IQWiG ganz davon ab, und ohne ärztlichen Rat soll sie laut EMA nicht länger als sechs Monate eingenommen werden.
Isoflavon-Präparate aus Soja oder Rotklee
Soja-Präparate sind laut IQWiG die am besten untersuchten pflanzlichen Mittel gegen Wechseljahrsbeschwerden. Für den Bericht von 2025 wertete das IQWiG 30 Studien mit Isoflavonen aus Soja, Rotklee oder synthetischer Herstellung gemeinsam aus, nicht getrennt nach Herkunft. In 7 dieser Studien mit knapp 770 Frauen nach der Menopause traten nach drei bis sechs Monaten im Mittel etwa 2,6 Hitzewallungen pro Tag weniger auf als mit Placebo, die Ergebnisse der einzelnen Studien gingen aber stark auseinander. Für die Perimenopause gab es nur eine Studie, ohne Unterschied. 13 der 30 Studien wurden von Herstellern von Sojaprodukten oder Nahrungsergänzungsmitteln finanziert.
Andere urteilen vorsichtiger: The Menopause Society empfiehlt Soja-Extrakte nicht, und laut Verbraucherzentrale sieht die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) keine ausreichend gesicherten Hinweise auf eine Wirkung. Für Rotklee-Nahrungsergänzungsmittel sieht die IQWiG-Gesundheitsinformation (2023) keinen Beleg, auch die Cochrane-Übersicht von 2013 fand für Rotklee-Extrakt keinen signifikanten Unterschied zu Placebo. Die deutsche Leitlinie von 2020 führt Rotklee dagegen unter „Nutzen möglich“.
Für gesunde Frauen nach der Menopause nennt die Verbraucherzentrale nach Orientierungswerten der EFSA höchstens 100 Milligramm isolierte Soja-Isoflavone am Tag für höchstens zehn Monate, für Rotklee-Präparate deutlich weniger. Für Frauen mitten in den Wechseljahren fehlen Sicherheitsdaten. Soja als Lebensmittel ist in üblichen Mengen unbedenklich, außer bei Soja- oder Birkenpollenallergie, mehr dazu im Ratgeber zur Ernährung in den Wechseljahren.
Tee, Drogerie oder Apotheke: woran du erkennst, was drin ist
Ob ein Pflanzenmittel geprüft ist, hängt nicht vom Laden ab, sondern davon, als was es verkauft wird. Auch in der Apotheke stehen Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel nebeneinander.
- Zugelassenes pflanzliches Arzneimittel: Wirksamkeit und Sicherheit sind durch wissenschaftliche Literatur anerkannt, der Wirkstoff wird seit mindestens zehn Jahren in der EU medizinisch verwendet (EMA). Beispiel: Traubensilberkerze. Das ist eine behördliche Einstufung, unabhängige Auswertungen kommen trotzdem zu gemischten Ergebnissen (siehe oben).
- Traditionelles pflanzliches Arzneimittel: Registriert, weil es seit mindestens 30 Jahren angewendet wird, davon 15 Jahre in der EU. Klinische Studien zu Wirksamkeit und Sicherheit sind dafür nicht nötig (EMA). Beispiel: Salbei gegen starkes Schwitzen.
- Nahrungsergänzungsmittel: Rechtlich ein Lebensmittel ohne Zulassung. Die Bescheinigung des zuständigen Bundesamts ist laut Verbraucherzentrale nur eine Eingangsbestätigung, kein Sicherheits- oder Wirksamkeitsnachweis. Bei Isoflavon-Präparaten fehlte in einem Marktcheck 2024 bei 82 Prozent der Hinweis auf die maximale Einnahmedauer.
- Tee und Lebensmittel: Wie viel Wirkstoff in deiner Tasse landet, ist nicht festgelegt. Studien testen dagegen genau definierte Extrakte.
Frag deshalb in der Apotheke, was ein Produkt rechtlich ist. Und Produkte mit Phytoöstrogenen sind nicht „hormonfrei“, auch wenn die Werbung das nahelegt (Verbraucherzentrale).
Sicherheits-Check: wann du vorher ärztlich oder in der Apotheke fragen solltest
Vor der Einnahme lohnt sich dieser Abgleich:
- Du nimmst die Pille oder kannst noch schwanger werden: Schwanger werden ist bis zur Menopause möglich (IQWiG). Johanniskraut kann die Pille abschwächen, die NVL rät dann zu zusätzlicher Verhütung. Unter Traubensilberkerze sollten Frauen, die schwanger werden können, laut EMA eine wirksame Verhütung erwägen.
- Du nimmst regelmäßig Medikamente oder bekommst eine Krebstherapie: Johanniskraut kann viele Medikamente abschwächen, etwa Blutverdünner, Epilepsie-Mittel, Blutfettsenker und manche Antidepressiva (NVL). Mit Antidepressiva vom Typ der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, die auch gegen Hitzewallungen verschrieben werden, kann es sehr selten ein gefährliches Serotonin-Syndrom auslösen (EMA-Entwurf). NICE warnt nach Brustkrebs vor Wechselwirkungen mit Tamoxifen. Ashwagandha kann mit Blutzucker- und Blutdrucksenkern sowie Immunsuppressiva wechselwirken (BfR), Ginseng zusammen mit Gerinnungshemmern wie Heparin oder Acetylsalicylsäure (ASS) oder mit Nachtkerzenöl Blutungen begünstigen (IQWiG).
- Du hast oder hattest eine Lebererkrankung: Traubensilberkerze nur mit Vorsicht (EMA), auf Ashwagandha verzichten (BfR).
- Du hattest Brust- oder Gebärmutterkrebs oder einen anderen hormonabhängigen Tumor: Nach Brustkrebs rät das IQWiG von Traubensilberkerze ab, bei anderen hormonabhängigen Tumoren nimmst du sie nur nach ärztlicher Rücksprache, ebenso Isoflavon-Präparate und Mönchspfeffer (Verbraucherzentrale, EMA). Bei Isoflavonen gilt das laut Verbraucherzentrale auch, wenn nahe Verwandte Brust- oder Gebärmutterkrebs hatten.
- Du nimmst Schilddrüsenhormon: Isoflavon-Präparate können die Einstellung erschweren (Verbraucherzentrale).
- Du machst eine Hormontherapie: Von Traubensilberkerze zusammen mit Östrogenen rät das IQWiG ab. Mönchspfeffer kann mit Östrogenen, Antiöstrogenen und Dopamin-wirksamen Medikamenten wechselwirken (EMA). Auch Johanniskraut nur nach Rücksprache, weil es den Abbau vieler Arzneistoffe beschleunigen kann (EMA-Entwurf).
- Du hast eine Soja- oder Birkenpollenallergie: Soja-Präparate können allergische Reaktionen auf Sojaeiweiß auslösen, und bei Birkenpollenallergie kann Soja über Kreuzreaktionen auch schwere Reaktionen hervorrufen (Verbraucherzentrale).
Sofort absetzen und ärztlich abklären solltest du Traubensilberkerze bei Zeichen einer Leberschädigung: ungewöhnliche Müdigkeit, Appetitlosigkeit, gelbe Haut oder Augen, starke Oberbauchschmerzen mit Übelkeit oder Erbrechen oder dunkler Urin (EMA). Nimm alle Präparate, auch Tees, zum Termin mit, etwa mit unserer Checkliste für den Arztbesuch in den Wechseljahren.
Wann Hausmittel nicht mehr reichen
Bestimmen Hitzewallungen, Nachtschweiß oder schlechter Schlaf deinen Alltag, musst du dich nicht mit Tee begnügen. Die wirksamste Behandlung ist laut The Menopause Society die Hormontherapie. Die deutsche Leitlinie von 2020 und NICE sehen vor, sie Frauen mit Hitzewallungen nach Aufklärung über Nutzen und Risiken anzubieten. Ob sie zu dir passt, entscheidest du gemeinsam mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt. Ohne Hormone empfiehlt The Menopause Society kognitive Verhaltenstherapie (KVT), klinische Hypnose und einige nicht hormonelle Medikamente, bei Übergewicht mit begrenzter Datenlage auch eine Gewichtsabnahme. KVT verringert vor allem, wie sehr Hitzewallungen belasten; im Vergleich zu Wartelisten wurden sie in Studien teils auch seltener.
Diese Beschwerden gehören nie in die Hausmittel-Ecke, sondern zeitnah in ärztliche Hände:
- jede Blutung nach der Menopause, also nach mehr als zwölf Monaten ohne Periode, auch unter Traubensilberkerze
- Nachtschweiß mit ungewolltem Gewichtsverlust oder zusammen mit Fieber und Husten oder Durchfall
- Anzeichen einer Leberschädigung während der Einnahme pflanzlicher Mittel
- anhaltende Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit oder Gedanken an den Tod
Außerhalb der Sprechzeiten erreichst du den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, im Notfall wählst du 112.
Häufige Fragen zu Hausmitteln in den Wechseljahren
Welche Hausmittel helfen am besten gegen Hitzewallungen?
Ein sicher wirksames Hausmittel gibt es nicht: Kühlen und Schichtenkleidung machen Hitzewallungen erträglicher, dass sie dadurch seltener werden, ist nicht belegt. Isoflavon-Präparate verringerten Hitzewallungen nach der Menopause in Studien etwas (IQWiG), Fachgesellschaften bewerten das aber unterschiedlich. Nach Brust- oder Gebärmutterkrebs, unter Schilddrüsenhormon oder bei Sojaallergie sind sie nur nach ärztlicher Rücksprache geeignet, und die Verbraucherzentrale nennt höchstens zehn Monate Einnahme. Am wirksamsten ist bei starken Beschwerden eine Hormontherapie; ob sie für dich infrage kommt, besprichst du mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt.
Welcher Tee hilft in den Wechseljahren gegen Hitzewallungen und Schwitzen?
Salbei ist als traditionelles Arzneimittel gegen starkes Schwitzen registriert, allein aufgrund langjähriger Anwendung (EMA). Die oft genannten „50 Prozent weniger Hitzewallungen“ stammen aus einer Studie mit Salbei-Tabletten ohne Vergleichsgruppe. Für andere Kräutertees wie Frauenmantel, Melisse oder Hopfen fehlt ebenfalls eine zuverlässige Grundlage, Kräutertees sind laut IQWiG nicht gut untersucht. Als warmes Ritual dürfen sie trotzdem sein.
Was hilft natürlich bei Schlafstörungen in den Wechseljahren?
Für Baldrian, Hopfen, Passionsblume und Melisse gibt es laut IQWiG keine Belege. Wecken dich nächtliche Hitzewallungen, machen ein kühles Schlafzimmer und leichte, atmungsaktive Bettwäsche sie erträglicher. Bei anhaltender Schlaflosigkeit frag nach einer kognitiven Verhaltenstherapie gegen Schlaflosigkeit, von der Frauen mit Hitzewallungen in Studien profitierten.
Sind pflanzliche Mittel in den Wechseljahren unbedenklich?
Nicht automatisch. Nahrungsergänzungsmittel werden vor dem Verkauf nicht behördlich auf Sicherheit geprüft (Verbraucherzentrale), und Yams-Cremes enthielten in Tests teils nicht deklarierte Hormone (The Menopause Society). Auch pflanzliche Arzneimittel haben Nebenwirkungen und Wechselwirkungen. Lass dich vor der Einnahme ärztlich oder in der Apotheke beraten.
Kann ich Traubensilberkerze und Mönchspfeffer gleichzeitig nehmen?
Nur nach ärztlicher Rücksprache. Mönchspfeffer ist von der EMA als pflanzliches Arzneimittel nur für Beschwerden vor der Periode (prämenstruelles Syndrom) anerkannt, gegen Wechseljahrsbeschwerden ist eine Wirkung laut IQWiG nicht verlässlich nachgewiesen. Beide haben eigene Warnhinweise, etwa zu Östrogenen und hormonabhängigem Krebs, und bei zwei Mitteln gleichzeitig erkennst du nicht, was wirkt und was Nebenwirkungen auslöst.
Sind Nahrungsergänzungsmittel für die Wechseljahre sinnvoll?
Meist nicht: Laut BfR versorgt eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung den gesunden Körper mit allen lebensnotwendigen Stoffen, Nahrungsergänzungsmittel sind deshalb in den meisten Fällen überflüssig. Sie sind nicht zugelassen und nicht auf Wirksamkeit geprüft (Verbraucherzentrale). Für Magnesium-Präparate nennt das BfR eine Obergrenze von 250 Milligramm am Tag, bei einer Nierenerkrankung nur nach ärztlicher Rücksprache.
Expertenwissen: Warum aus einer Pflanzenstudie noch kein Hausmittel wird
Pflanzenstudien testen fast nie das, was in der Küche landet. Das IQWiG wertete zur Traubensilberkerze nur Studien mit Anwendung im Rahmen der deutschen Zulassung aus. In den Isoflavon-Studien bekamen die Frauen 30 bis 126 Milligramm am Tag, meist als Tablette oder Kapsel. Die Salbei-Studie hinter den „50 Prozent weniger Hitzewallungen“ nutzte Tabletten aus frischen Salbeiblättern, hatte keine Vergleichsgruppe und entstand unter Beteiligung eines Herstellers pflanzlicher Präparate. Für Tee, Gewürz oder eine Portion Tofu lässt sich daraus keine Wirkung ableiten.
Dazu kommt der Placebo-Effekt, der laut The Menopause Society bei Frauen mit stärkeren Angstgefühlen besonders ausgeprägt ist. Wie sehr er täuschen kann, zeigt die Leinsamen-Studie: Gut ein Drittel der Frauen halbierte mit Leinsamen den Wert aus Häufigkeit und Stärke ihrer Hitzewallungen, in der Placebo-Gruppe aber ebenso.
Wenn du etwas ausprobierst, mach es wie eine kleine Studie: Notiere ein bis zwei Wochen vorher Häufigkeit und Stärke der Hitzewallungen und deinen Schlaf. Teste nur ein Mittel auf einmal und mit Zeitlimit, etwa sechs Wochen bei Salbei-Arzneimitteln, und nimm Präparate wie Traubensilberkerze nur nach ärztlicher Rücksprache. Schreib weiter mit und vergleiche nüchtern. Bringt es nichts, setze das Mittel ab, statt die Menge zu erhöhen.
Wissenschaftliche Quellen
Die Inhalte zu Hausmitteln in den Wechseljahren stützen sich auf aktuelle medizinische Leitlinien, systematische Übersichtsarbeiten und Informationen von Fachgesellschaften. Stand: Oktober 2026.
- AWMF (2020): S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen, Reg.-Nr. 015-062 (Gültigkeit abgelaufen; Konsultationsfassung der Aktualisierung seit Juni 2026). Federführend DGGG und OEGGG; englische Kurzfassung: Inwald EC, Albring C, Baum E et al.: Perimenopause and Postmenopause – Diagnosis and Interventions. Geburtshilfe und Frauenheilkunde 2021;81(6):612–636.
- National Institute for Health and Care Excellence (2015, zuletzt aktualisiert 15.04.2026): Menopause: identification and management. NICE guideline NG23, Empfehlungen 1.4.6 bis 1.4.8, 1.5.1 bis 1.5.3, 1.5.5, 1.5.6, 1.5.8 und 1.5.9. Sowie National Health Service (2023): Night sweats (geprüft am 09.11.2023).
- The North American Menopause Society (heute The Menopause Society) (2023): The 2023 nonhormone therapy position statement of The North American Menopause Society. Menopause 30(6): 573–590.
- IQWiG (2025, 2023, 2024): Evidenzberichte zur S3-Leitlinie Isoflavone (V24-05B, Stand 06.02.2025) und Cimicifuga (V24-05C, Stand 20.01.2025) sowie gesundheitsinformation.de: Wechseljahrsbeschwerden und Wechseljahrsbeschwerden selbst lindern (beide aktualisiert 02.01.2023) und Schlafstörung: Behandlung mit Schlaf- und Beruhigungsmitteln (aktualisiert 03.07.2024).
- European Medicines Agency, HMPC (2016, 2018, 2025): EU-Pflanzenmonographien zu Cimicifuga racemosa, rhizoma (EMA/HMPC/48745/2017), Salvia officinalis, folium (EMA/HMPC/277152/2015) und Vitex agnus-castus, fructus (EMA/HMPC/606742/2017), Entwurf zur Konsultation Hypericum perforatum, herba und Cimicifuga racemosa, rhizoma (EMA/HMPC/884573/2022, Stand 22.01.2025) sowie Überblick Herbal medicinal products.
- Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (BÄK, KBV, AWMF) (2022): Hilft Johanniskraut gegen Depressionen? Patientenblatt zur NVL Unipolare Depression.
- Bundesinstitut für Risikobewertung (2024, 2017): Ashwagandha: Schlafbeeren-Präparate mit möglichen Gesundheitsrisiken. Mitteilung 039/2024 vom 10.09.2024, sowie BfR bewertet empfohlene Tageshöchstmenge für die Aufnahme von Magnesium über Nahrungsergänzungsmittel. Stellungnahme 034/2017 vom 12.12.2017.
- Verbraucherzentrale (2026, 2025): Soja-Isoflavone – Hilfe in den Wechseljahren? (Stand 16.07.2026) und Wie sind Nahrungsergänzungsmittel geregelt? (Stand 10.10.2025).
- Cochrane-Übersichten und Einzelstudien: Leach MJ, Moore V (2012): Black cohosh (Cimicifuga spp.) for menopausal symptoms. Cochrane Database of Systematic Reviews, CD007244. Lethaby A, Marjoribanks J, Kronenberg F et al. (2013): Phytoestrogens for menopausal vasomotor symptoms. Cochrane Database of Systematic Reviews, CD001395. Pruthi S, Qin R, Terstreip SA et al. (2012): A phase III, randomized, placebo-controlled, double-blind trial of flaxseed for the treatment of hot flashes: North Central Cancer Treatment Group N08C7. Menopause 19(1): 48–53. Bommer S, Klein P, Suter A (2011): First time proof of sage’s tolerability and efficacy in menopausal women with hot flushes. Advances in Therapy 28(6): 490–500 (offene Studie ohne Kontrollgruppe). Mah J, Pitre T (2021): Oral magnesium supplementation for insomnia in older adults: a Systematic Review & Meta-Analysis. BMC Complementary Medicine and Therapies 21: 125. Avis NE, Crawford SL, Greendale G et al. (2015): Duration of menopausal vasomotor symptoms over the menopause transition. JAMA Internal Medicine 175(4): 531–539 (SWAN-Studie).
Hinweis: Dieser Artikel ist sorgfältig recherchiert, ersetzt aber keine ärztliche Beratung. Auch pflanzliche Mittel können Nebenwirkungen und Wechselwirkungen haben. Lass dich vor der Einnahme ärztlich oder in der Apotheke beraten, besonders wenn du Medikamente nimmst oder eine Leber- oder Krebserkrankung hast oder hattest. Setze Traubensilberkerze sofort ab und lass dich untersuchen, wenn Haut oder Augen gelb werden, der Urin dunkel wird oder starke Oberbauchschmerzen auftreten. Jede Blutung nach der Menopause gehört ärztlich abgeklärt, ebenso Nachtschweiß mit ungewolltem Gewichtsverlust oder mit Fieber und Husten. Bei Suizidgedanken erreichst du die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117, im Notfall wählst du 112.
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