Wechseljahre am Arbeitsplatz: Das Wichtigste auf einen Blick
- Du bist nicht allein. Laut DAK-Befragung fühlen sich drei von zehn berufstätigen Frauen zwischen 40 und 62 im Job durch die Wechseljahre beeinträchtigt.
- Erschöpfung und Schlafstörungen bremsen im Job häufiger aus als Hitzewallungen. Sinnvolle Anpassungen setzen deshalb bei Arbeitszeit und Pausen an, nicht nur beim Ventilator.
- Dein Arbeitgeber erfährt keine Diagnose. Die Krankmeldung zeigt ihm nur den Zeitraum und ob es eine Erst- oder Folgemeldung ist. Um Anpassungen bitten geht auch ohne das Wort Wechseljahre.
- Eine Krankschreibung ist möglich, wenn du deine konkrete Arbeit wegen der Beschwerden nicht schaffst. Das beurteilt deine Ärztin oder dein Arzt.
- Behandlung setzt an den Beschwerden selbst an. Gegen Hitzewallungen wirkt eine Hormontherapie am besten. Eine kognitive Verhaltenstherapie verringert vor allem, wie sehr Wallungen belasten, und kann den Schlaf verbessern.
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Wechseljahre am Arbeitsplatz: Was die Zahlen zeigen
So viele Frauen spüren die Wechseljahre im Job
Die Wechseljahre betreffen laut Antidiskriminierungsstelle des Bundes praktisch jede Beschäftigte ab Mitte 40. Schätzungsweise elf Millionen Frauen in Deutschland sind gerade in dieser Lebensphase. Wie deutlich sich die Wechseljahre am Arbeitsplatz bemerkbar machen, zeigen zwei große deutsche Befragungen.
Für die DAK-Gesundheit wurden Anfang 2025 rund 2.500 berufstätige Frauen zwischen 40 und 62 Jahren befragt. Drei von zehn fühlten sich im Arbeitsleben durch die Wechseljahre beeinträchtigt, fast jede zweite von ihnen stark. 48 Prozent fanden es unangenehm, mit ihrem Arbeitgeber darüber zu sprechen.
Das Berliner Forschungsprojekt MenoSupport hat 2.119 Frauen befragt und zeigt die Folgen für Karriere und Berufsweg. Von den Frauen mit Beschwerden hatten deswegen
- 24 Prozent schon einmal Stunden reduziert,
- 18,4 Prozent die Stelle gewechselt,
- 5,4 Prozent eine Beförderung ausgeschlagen,
- 10 Prozent sich für einen früheren Ruhestand entschieden (über 55 Jahre: 19,4 Prozent),
- 29,4 Prozent schon einmal eine Krankschreibung.
52,3 Prozent aller Befragten nannten die Wechseljahre an ihrem Arbeitsplatz ein Tabuthema. Weil die Frauen freiwillig online teilnahmen und überdurchschnittlich viele Akademikerinnen dabei waren, sind das keine repräsentativen Quoten. Eine britische Übersicht über 42 Publikationen kommt zu einem ähnlichen Bild: Die Beschwerden beeinträchtigen bei einem Teil der Frauen vor allem Selbstvertrauen und Wohlbefinden im Job, in geringerem Maß die Arbeitsleistung selbst.
Was im Job am häufigsten ausbremst
Bei den Wechseljahren denken viele zuerst an Hitzewallungen. Gefragt, welche Beschwerden ihre Arbeit beeinträchtigt haben, nannten die MenoSupport-Teilnehmerinnen mit Beschwerden aber andere häufiger:
- körperliche und geistige Erschöpfung: 78,1 Prozent
- Schlafstörungen: 65,8 Prozent
- Reizbarkeit: 53,6 Prozent
- depressive Verstimmung: 46,3 Prozent
- Hitzewallungen und Schwitzen: 44,8 Prozent
74,3 Prozent der Frauen mit Beschwerden konnten sich schlechter konzentrieren, 38 Prozent trauten sich weniger zu, nur 5,7 Prozent sahen keinen Einfluss auf ihre Arbeit.
Der Zusammenhang kann auch umgekehrt laufen: Arbeitsstress, eine Uniformpflicht oder wenig Gestaltungsspielraum hängen laut der britischen Übersicht damit zusammen, wie belastend Frauen ihre Beschwerden erleben. Wer zusätzlich die unsichtbare Organisationsarbeit für die Familie trägt, hat noch weniger Puffer. Und wenn Nachtschweiß dich mehrmals pro Nacht weckt, ist am Morgen danach die Erschöpfung das Problem, nicht die Hitze.
Anpassungen am Arbeitsplatz: Was zu welcher Beschwerde passt
Setze bei deiner Hauptbeschwerde an. Viele der folgenden Punkte empfiehlt auch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes in ihren Handlungsempfehlungen vom Oktober 2026.
- Nach schlechten Nächten: Gleitzeit oder ein späterer Beginn, anspruchsvolle Aufgaben nicht in die erste Stunde legen, an schwierigen Tagen Homeoffice. Laut MenoSupport gab es Homeoffice an etwas mehr als der Hälfte der Arbeitsplätze.
- Hitzewallungen: Ventilator, Platz am Fenster, Mitsprache bei der Raumtemperatur, atmungsaktive Dienstkleidung, ein Wechseloberteil. Das macht eine Wallung erträglicher, behandelt sie aber nicht: Als Therapie empfiehlt die US-Fachgesellschaft The Menopause Society (früher North American Menopause Society) Kühltechniken nicht. Mehr zu Kleidung, die eine Hitzewallung schnell abfängt.
- Konzentration und Brain Fog: feste Fokuszeiten im Kalender, Absprachen schriftlich festhalten. Mehr dazu: Strategien gegen Konzentrationsaussetzer im Büro.
- Starke Blutungen oder Harndrang: ein Arbeitsplatz in Toilettennähe, flexible Pausen, Außentermine mit erreichbarer Toilette. Lass sehr starke Blutungen und ständigen Harndrang außerdem ärztlich abklären. Hinter Harndrang kann eine behandelbare Reizblase durch sinkendes Östrogen stecken.
- Gelenk- und Muskelschmerzen: Wechsel zwischen Sitzen und Stehen und ein ergonomischer Arbeitsplatz, den die Betriebsärztin oder der Betriebsarzt begutachten kann. Mehr zu Gelenkschmerzen in den Wechseljahren.
- Reizbarkeit und Überforderung: eine kurze Rückzugsmöglichkeit, verlässliche Pausen, Aufgaben und Vertretungen in schwierigen Phasen neu verteilen. Was du außerhalb der Arbeit für dich tun kannst, steht in unserem Beitrag zur Selbstfürsorge in der Menopause.
Ohne Homeoffice-Option, etwa in Pflege, Einzelhandel, Gastronomie oder Schichtdienst, liegen die Hebel bei Schichtplanung, Pausenregelungen und Vertretungen in Erschöpfungsphasen. Hier lohnt der Weg zum Betriebsrat, falls es einen gibt, denn er bestimmt bei Arbeitszeit und Pausen mit.
Das Gespräch mit Vorgesetzten: ob, mit wem und wie
Du entscheidest, was du erzählst
Du musst weder sagen, dass du in den Wechseljahren bist, noch eine Diagnose nennen. Für die Bitte um eine Anpassung reicht es, zu beschreiben, was du brauchst. Wie offen du sprichst, hängt von deinem Umfeld ab: 29 Prozent der MenoSupport-Teilnehmerinnen mit Beschwerden befürchteten Nachteile, wenn andere im Unternehmen davon wüssten. Wähle die erste Ansprechperson deshalb bewusst, etwa eine Vertrauensperson im Team, die Betriebsärztin oder den Betriebsarzt oder, falls es sie gibt, Betriebsrat oder Gleichstellungsbeauftragte.
So bereitest du das Gespräch vor
- Notiere zwei Wochen lang, wann Beschwerden auftreten und was sie bei der Arbeit auslösen. Die Notizen helfen auch in der Praxis, siehe unsere Checkliste für den Arztbesuch in den Wechseljahren.
- Formuliere ein bis zwei konkrete Bitten und schlage vor, sie befristet auszuprobieren, etwa drei Monate lang.
- Halte die vereinbarte Anpassung und den Probezeitraum schriftlich fest, etwa in einer kurzen Mail. Gesundheitliche Details müssen darin nicht stehen.
Zwei Vorschläge für den Einstieg, einmal ohne und einmal mit dem Wort „Wechseljahre“:
- „Ich schlafe aus gesundheitlichen Gründen gerade oft schlecht. Können wir drei Monate ausprobieren, dass ich an zwei Tagen pro Woche später anfange?“
- „Ich bin in den Wechseljahren, und Hitzewallungen machen mir Kundentermine gerade schwer. Ein Platz am Fenster und ein Ventilator würden viel ändern.“
Wenn das Gespräch nichts bringt
Dann sind Betriebsrat, Betriebsärztin oder Betriebsarzt und Personalabteilung die nächsten Anlaufstellen. Fühlst du dich benachteiligt, beraten dich die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, deine Gewerkschaft, wenn du Mitglied bist, oder eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt für Arbeitsrecht. Achte auf die Fristen: Ansprüche wegen Benachteiligung musst du derzeit innerhalb von zwei Monaten schriftlich geltend machen (§ 15 Abs. 4 AGG), gegen eine Kündigung innerhalb von drei Wochen Klage beim Arbeitsgericht erheben (§ 4 Kündigungsschutzgesetz).
Deine Rechte und Anlaufstellen im Betrieb
Ein eigenes Wechseljahre-Gesetz gibt es in Deutschland nicht, und einen gesetzlichen Anspruch auf bestimmte Anpassungen speziell wegen Wechseljahresbeschwerden hast du nicht. Ob etwa Gleitzeit oder ein anderer Platz möglich ist, hängt von Arbeitsvertrag, Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung oder schlicht vom Gespräch ab. Bestehende Regeln helfen dir trotzdem. Die Übersicht ersetzt keine Rechtsberatung.
- Betriebsärztin oder Betriebsarzt: Sie sind an die ärztliche Schweigepflicht gebunden und fachlich weisungsfrei (§ 8 ASiG). Du kannst auf Wunsch arbeitsmedizinische Vorsorge verlangen, es sei denn, nach der Gefährdungsbeurteilung ist nicht mit einem Gesundheitsschaden zu rechnen (§ 11 ArbSchG, § 5a ArbMedVV). Hier ist der Ort für ehrliche Details.
- Gefährdungsbeurteilung: Dein Arbeitgeber muss Gefährdungen durch Arbeitsplatz, Arbeitszeit und psychische Belastungen beurteilen (§ 5 ArbSchG). Die Wechseljahre stehen dort nicht, Raumklima, Pausen, Dienstkleidung und Toilettenzugang lassen sich aber einbringen. Das empfiehlt auch die Antidiskriminierungsstelle.
- Betriebsrat: Er bestimmt bei Arbeitszeit, Pausen und Gesundheitsschutz mit (§ 87 Abs. 1 Nr. 2 und 7 BetrVG) und kann eine Betriebsvereinbarung anstoßen.
- Teilzeit: Nach mehr als sechs Monaten im Betrieb kannst du weniger Stunden verlangen, wenn dein Arbeitgeber in der Regel mehr als 15 Beschäftigte hat. Beantragen musst du das drei Monate vorher in Textform, ablehnen darf der Arbeitgeber nur aus betrieblichen Gründen (§ 8 TzBfG). Bei mehr als 45 Beschäftigten gibt es auch die befristete Brückenteilzeit (§ 9a TzBfG).
- Schutz vor Benachteiligung: Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) nennt die Wechseljahre nicht. Eine Benachteiligung wegen Wechseljahresbeschwerden kann aber eine mittelbare Diskriminierung wegen des Geschlechts sein (§ 3 Abs. 2 AGG). Eindeutig geklärt ist das nicht, die Antidiskriminierungsstelle hat im Oktober 2026 angeregt, eine gesetzliche Klarstellung zu prüfen. Zur Frist siehe oben.
Weniger Stunden bedeuten weniger Einkommen und Rente, prüfe deshalb zuerst Behandlung und befristete Anpassungen.
Krankschreibung wegen Wechseljahresbeschwerden: Wann sie möglich ist
Wann du arbeitsunfähig bist
Auch Wechseljahresbeschwerden können eine Krankschreibung rechtfertigen. Maßstab ist deine konkrete Arbeit: Arbeitsunfähig bist du, wenn du deine zuletzt ausgeübte Tätigkeit wegen einer Krankheit nicht mehr oder nur mit der Gefahr einer Verschlimmerung ausüben kannst (Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie, § 2). Nach Nächten mit ständigem Aufwachen kann deshalb eine Busfahrerin arbeitsunfähig sein, eine Kollegin am Schreibtisch im Homeoffice vielleicht nicht. Das entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt.
Als Diagnose kommt etwa N95.1 infrage. Laut der Diagnosenklassifikation ICD-10-GM 2026 des BfArM umfasst sie Hitzewallungen, Schlaflosigkeit, Kopfschmerz und Konzentrationsschwäche im Zusammenhang mit der Menopause. Je nach Lage passt auch eine Schlafstörung oder depressive Episode.
Ablauf, Diagnose und Geld
- Krankmeldung: Melde dich unverzüglich mit der voraussichtlichen Dauer. Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, brauchst du spätestens am ersten Arbeitstag nach dem dritten Kalendertag eine ärztliche Feststellung, dein Arbeitgeber darf sie früher verlangen (§ 5 EFZG).
- Was der Arbeitgeber erfährt: Bei gesetzlich Versicherten ruft er die Krankschreibung elektronisch bei der Krankenkasse ab: Zeitraum, Datum der Feststellung, Erst- oder Folgemeldung, aber keine Diagnose (§ 109 SGB IV).
- Per Telefon: Kennt dich die Praxis und sind die Beschwerden nicht schwer, ist eine erste Krankschreibung nach einem Telefonat für bis zu fünf Kalendertage möglich, wenn keine Videosprechstunde infrage kommt (§ 4 der Richtlinie).
- Geld: Besteht dein Arbeitsverhältnis seit vier Wochen, zahlt der Arbeitgeber bis zu sechs Wochen weiter. Fällst du wegen derselben Krankheit mehrmals aus, werden die Zeiten zusammengerechnet, bis sechs Wochen erreicht sind. Neu beginnen die sechs Wochen erst, wenn du zuvor mindestens sechs Monate nicht wegen dieser Krankheit krankgeschrieben warst oder seit Beginn der ersten Krankschreibung zwölf Monate vergangen sind (§ 3 EFZG). Ist strittig, ob eine neue Krankheit vorliegt, musst du deine Erkrankungen schildern und deine Ärztinnen und Ärzte von der Schweigepflicht entbinden (Bundesarbeitsgericht, 18.01.2023, 5 AZR 93/22). Gesetzlich Versicherte bekommen danach Krankengeld: 70 Prozent des beitragspflichtigen Bruttoverdiensts, höchstens 90 Prozent des Nettos (§§ 44, 47 SGB V). Privat Versicherte bekommen, was ihr Vertrag vorsieht.
Wenn es länger dauert oder sich wiederholt
Bist du innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen am Stück oder mit Unterbrechungen krankgeschrieben, muss dein Arbeitgeber ein betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) anbieten, um Ausfälle zu vermeiden und deinen Arbeitsplatz zu erhalten. Die Teilnahme ist freiwillig, eine Vertrauensperson darfst du mitbringen (§ 167 Abs. 2 SGB IX). Nach längerer Krankschreibung ist auch eine stufenweise Wiedereingliederung möglich (§ 74 SGB V). Wichtig: Eine Krankschreibung überbrückt, sie behandelt nichts. Fällst du immer wieder aus, besprich die Behandlung neu.
Behandlung: an den Beschwerden selbst ansetzen
Als wirksamste Behandlung gegen Hitzewallungen gilt die Hormontherapie. Die britische Leitlinie NICE NG23 sieht vor, sie Frauen ab 40 mit wechseljahresbedingten Hitzewallungen anzubieten. Laut Menopause Society sollte sie in den ersten zehn Jahren nach der letzten Regelblutung erwogen werden, sofern nichts dagegen spricht, etwa ein östrogenabhängiger Krebs oder eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Laut NICE kommt sie auch bei gedrückter Stimmung infrage, die mit anderen Wechseljahresbeschwerden begonnen hat, solange keine Depression im engeren Sinn vorliegt. Ob sie zu dir passt, ist eine ärztliche Einzelfallentscheidung, mehr zu Nutzen und Risiken einer Hormontherapie.
Zusätzlich zur Hormontherapie oder statt ihr empfiehlt NICE, eine kognitive Verhaltenstherapie (KVT) zu erwägen, möglichst wechseljahresspezifisch: bei Hitzewallungen, nächtlichem Aufwachen und depressiven Symptomen im Zusammenhang mit Wallungen, auch als Selbsthilfe. Die Menopause Society nennt außerdem klinische Hypnose und verschreibungspflichtige Medikamente, mehr dazu unter Behandlungen ohne Hormone.
Für den Job besonders relevant ist die britische Studie MENOS@Work: 124 berufstätige Frauen zwischen 45 und 60 mit häufigen belastenden Wallungen, gewonnen über betriebsärztliche Dienste und Personalabteilungen, erhielten per Los eine KVT-Selbsthilfe-Broschüre oder kamen auf eine Warteliste. Mit Broschüre belasteten die Wallungen sie weniger, und der Schlaf wurde besser. Nach 20 Wochen fühlten sich die Frauen bei der Arbeit weniger ausgebremst, bei den Fehltagen gab es keinen Unterschied. Das passt zum Gesamtbild, das die Menopause Society zeichnet: KVT verringert vor allem, wie sehr Hitzewallungen belasten; im Vergleich zu einer Warteliste wie in dieser Studie wurden sie teils auch seltener.
Mehr als die Hälfte der MenoSupport-Befragten mit Beschwerden nahm Nahrungsergänzungsmittel, 43,5 Prozent pflanzliche Mittel. Gegen Wallungen empfiehlt die Menopause Society beides nicht. Wie gut einzelne Mittel belegt sind, steht in unserem Hausmittel-Check für die Wechseljahre. Sag in der Praxis, was du einnimmst, auch wenn es frei verkäuflich ist, denn laut NICE sind Wechselwirkungen mit Medikamenten beschrieben.
Menopause am Arbeitsplatz: Was Arbeitgeber tun können und was davon belegt ist
In der DAK-Befragung sagten 54 Prozent der belasteten Frauen, ihr Arbeitgeber biete keinerlei Unterstützung. Eine Sensibilisierung der Führungskräfte ist selten: Unter den Arbeitgeber-Angeboten nannte die DAK sie mit 2 Prozent, in MenoSupport gaben 4,4 Prozent aller Befragten an, dass es sie gibt. Dabei fänden 76,4 Prozent der MenoSupport-Teilnehmerinnen ohne ein solches Angebot es hilfreich. Wie gut einzelne Maßnahmen wirken, ist unterschiedlich belegt:
- Gut belegt für die Beschwerden selbst: Hormontherapie und wechseljahresspezifische KVT. Ob Behandlung auch Fehlzeiten senkt, ist kaum untersucht. Die laut britischer Übersicht von 2025 aussagekräftigste Studie im Arbeitskontext, MENOS@Work, fand bei den Fehltagen keinen Unterschied.
- Erste Hinweise: Nach einem 30-minütigen Online-Training wussten Führungskräfte in drei britischen Organisationen mehr und fühlten sich im Gespräch sicherer. Gemessen wurde nur vorher und nachher, ohne Vergleichsgruppe. Eine Verhaltensänderung war laut der britischen Übersicht bei der letzten Nachbefragung nicht nachweisbar.
- Plausibel, aber kaum untersucht: flexible Zeiten, Raumklima, Toilettenzugang, Ruheräume und betriebliche Richtlinien. Hochwertige Wirksamkeitsstudien fehlen laut der britischen Übersicht. Die Antidiskriminierungsstelle empfiehlt solche Maßnahmen dennoch, zumal vieles einfach umsetzbar ist.
Als kostengünstiger Einstieg haben sich laut Antidiskriminierungsstelle Aufklärungsprogramme und Vorträge bewährt. Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung können auch Krankenkassen und gesetzliche Unfallversicherung anstoßen und mitfinanzieren. Eine gesetzliche Pflicht zu Wechseljahres-Angeboten gibt es in Deutschland nicht, die Antidiskriminierungsstelle fordert seit dem 13. Oktober 2026 eine nationale Wechseljahresstrategie. In Großbritannien können Arbeitgeber ab 250 Beschäftigten inzwischen verpflichtet werden, Gleichstellungs-Aktionspläne zu veröffentlichen, die auch die Unterstützung in den Wechseljahren betreffen können (Employment Rights Act 2025).
Wann du ärztliche Hilfe brauchst
- Anhaltende Niedergeschlagenheit: Hoffnungslosigkeit oder Freudlosigkeit über Wochen gehört ärztlich abgeklärt, mehr zu den Anzeichen einer Depression in den Wechseljahren. Bei Gedanken an Suizid hol dir sofort Hilfe: Telefonseelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, im Notfall 112.
- Erschöpfung, die trotz Erholung bleibt: Lass das hausärztlich abklären, auch Schilddrüse, Eisenmangel oder ein Burnout kommen infrage.
- Herzrasen mit Brustschmerz, Atemnot oder Ohnmachtsgefühl: Wähle sofort den Notruf 112.
- Auffällige Blutungen: Lass sehr starke oder ungewohnte Blutungen abklären, ebenso jede Blutung, wenn deine letzte Periode mehr als zwölf Monate zurückliegt, auch eine einmalige schwache.
- Außerhalb der Sprechzeiten: Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist unter 116 117 erreichbar.
Häufige Fragen zu Wechseljahren am Arbeitsplatz
Kann ich mich wegen Wechseljahresbeschwerden krankschreiben lassen?
Ja, wenn deine Beschwerden dich daran hindern, deine konkrete Arbeit auszuüben. Das beurteilt deine Ärztin oder dein Arzt. Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlaflosigkeit oder Konzentrationsschwäche sind als Diagnose erfasst (ICD-10-GM N95.1).
Kann man durch die Wechseljahre arbeitsunfähig werden?
Vorübergehend ja, etwa bei starken Schlafstörungen oder in einer depressiven Phase. Fällst du immer wieder aus, lass die Behandlung überprüfen. Nach mehr als sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit in einem Jahr muss dein Arbeitgeber ein freiwilliges betriebliches Eingliederungsmanagement anbieten.
Muss ich meinem Arbeitgeber sagen, dass ich in den Wechseljahren bin?
Nein. Auch bei einer Krankschreibung erfährt dein Arbeitgeber keine Diagnose, nur Zeitraum und Erst- oder Folgemeldung. Für eine Anpassung reicht es, deinen konkreten Bedarf zu nennen. Ausführliche Gespräche über Beschwerden gehören zur Betriebsärztin oder zum Betriebsarzt, die an die Schweigepflicht gebunden sind.
Kann mir wegen häufiger Krankschreibungen in den Wechseljahren gekündigt werden?
Eine Krankschreibung schützt nicht vor einer Kündigung. Arbeitest du länger als sechs Monate in einem Betrieb mit in der Regel mehr als zehn Beschäftigten, muss aber auch eine Kündigung wegen Krankheit sozial gerechtfertigt sein (§§ 1, 23 KSchG). In einem Fall von 2020, den die Antidiskriminierungsstelle beschreibt, wurde einer Frau wegen Fehlzeiten durch Wechseljahresbeschwerden gekündigt, und sie gewann vor Gericht. Klagen kannst du nur innerhalb von drei Wochen nach Zugang der Kündigung (§ 4 KSchG), lass dich deshalb sofort beraten.
Gibt es Seminare zu Wechseljahren am Arbeitsplatz?
Ja. Aufklärungsprogramme und Vorträge gelten laut Antidiskriminierungsstelle als kostengünstiger erster Schritt. Laut einer britischen Übersicht verbesserte ein 30-minütiges Online-Training Wissen und Gesprächssicherheit von Führungskräften, eine Vergleichsgruppe fehlte aber, und eine Verhaltensänderung war nicht nachweisbar. Anregen kannst du das über Betriebsrat, Personalabteilung oder betriebliches Gesundheitsmanagement.
Expertenwissen: Warum ein Ventilator allein selten reicht
Die sichtbarste Beschwerde ist nicht die, die im Job am meisten kostet. In britischen Langzeitdaten senkte jedes zusätzliche psychische Wechseljahressymptom die Beschäftigungsquote um ein bis zwei Prozentpunkte, Hitzewallungen taten das eher nicht. Eine britische Schätzung zeigt zudem, wo der größte Verlust liegt: rund 1,5 Milliarden Pfund pro Jahr, weil Frauen wegen der Wechseljahre nicht mehr erwerbstätig sind, gegenüber 191 Millionen Pfund durch Fehltage. Wer nur auf Krankschreibungen schaut, sieht also den kleineren Teil.
Anpassungen allein für die sichtbare Wallung lassen den eigentlichen Engpass deshalb unberührt. Naheliegender ist es, bei den Folgen schlechter Nächte anzusetzen: flexible Zeiten, geschützte Fokuszeiten und vor allem die Behandlung der nächtlichen Beschwerden. Als Kombination untersucht ist das allerdings noch nicht.
Wissenschaftliche Quellen
Die Inhalte zu Wechseljahren am Arbeitsplatz stützen sich auf aktuelle medizinische Leitlinien, Befragungen aus Deutschland, Übersichtsarbeiten, Positionspapiere von Fachgesellschaften, die Diagnosenklassifikation ICD-10-GM 2026 und die geltenden Rechtsgrundlagen (EFZG, SGB IV, SGB V, SGB IX, ArbSchG, ArbMedVV, ASiG, BetrVG, TzBfG, AGG, KSchG, Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts, britischer Employment Rights Act 2025). Stand: Oktober 2026.
- Rumler A, Memmert J, Nitsche S, Chan de Avila J (2024): Forschungsprojekt MenoSupport. Ergebnisse der ersten deutschlandweiten Befragung zum Thema Wechseljahre am Arbeitsplatz. HWR Berlin / HTW Berlin, Stand 04/2024, n = 2.119.
- DAK-Gesundheit (2025): Jede dritte Frau fühlt sich im Job durch die Wechseljahre beeinträchtigt. Pressemitteilung zur IMK-Befragung von 2.500 berufstätigen Frauen.
- Antidiskriminierungsstelle des Bundes (2026): Gleichberechtigt in den Wechseljahren. Handlungsempfehlungen für Diskriminierungsschutz, Gesundheit und Wertschätzung. Policy Paper, vorgestellt am 13.10.2026.
- Twamley K, Briedis I, Phillips T (2025): Menopause in the Workplace Literature Review. Department for Work and Pensions, ad hoc research report no. 116.
- Hardy C, Griffiths A, Norton S, Hunter MS (2018): Self-help cognitive behavior therapy for working women with problematic hot flushes and night sweats (MENOS@Work): a multicenter randomized controlled trial. Menopause 25(5): 508–519.
- Hardy C, Griffiths A, Hunter MS (2019): Development and evaluation of online menopause awareness training for line managers in UK organizations. Maturitas 120: 83–89.
- National Institute for Health and Care Excellence (2015, aktualisiert 15.04.2026): Menopause: identification and management. NICE guideline NG23.
- The North American Menopause Society (2023): The 2023 nonhormone therapy position statement of The North American Menopause Society. Menopause 30(6): 573–590.
- Gemeinsamer Bundesausschuss (2024): Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie. Zuletzt geändert am 07.12.2023, in Kraft seit 21.02.2024.
Hinweis: Dieser Artikel ist sorgfältig recherchiert, ersetzt aber weder ärztliche noch rechtliche Beratung. Bei arbeitsrechtlichen Konflikten helfen Betriebsrat, Gewerkschaft, die Beratung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes oder eine Fachanwältin bzw. ein Fachanwalt für Arbeitsrecht. Lass anhaltende Erschöpfung, Niedergeschlagenheit, sehr starke Blutungen und jede Blutung mehr als zwölf Monate nach der letzten Periode ärztlich abklären. Bei Herzrasen mit Brustschmerz oder Atemnot wähle den Notruf 112. Bei Gedanken an Suizid erreichst du die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117.
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Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden, starken oder ungewöhnlichen Beschwerden wende dich bitte an deine Ärztin oder deinen Arzt. In akuten Notfällen wähle den Notruf 112; den ärztlichen Bereitschaftsdienst erreichst du unter 116 117.





