Schmerzen beim Sex in den Wechseljahren: Das Wichtigste auf einen Blick
- Schmerzen beim Sex (Dyspareunie) sind ein Symptom, keine Diagnose. In den Wechseljahren steckt häufig das genitourinäre Menopausensyndrom (GSM) dahinter, das je nach Untersuchung 27 bis 84 Prozent der Frauen nach der Menopause betrifft.
- Trockenheit und Schmerz hängen eng zusammen, sind aber nicht dasselbe. Brennen ohne Trockenheit, ein Krampf beim Eindringen oder Juckreiz mit hellen Hautstellen können auf andere Ursachen hinweisen.
- Es gibt wirksame Hilfe. Bei leichten Beschwerden reichen oft Gleit- und Befeuchtungsmittel. Am besten untersucht ist lokales Östrogen, das ärztlich verordnet wird.
- Beim Beckenboden gilt: entspannen statt nur kräftigen. Vaginallaser empfehlen die Leitlinien nicht als Standardbehandlung.
- Du musst das nicht aushalten. Anhaltende Schmerzen sind ein guter Grund für einen Termin. Blutungen nach der Menopause oder nach dem Sex solltest du immer ärztlich abklären lassen.
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Schmerzen beim Sex in den Wechseljahren: Warum sie so verbreitet sind
Vielleicht kennst du das: Was früher selbstverständlich war, fühlt sich plötzlich unangenehm an. Ein Brennen, ein Ziehen, ein Gefühl von Trockenheit oder echtem Schmerz beim Eindringen. Du bist damit nicht allein. Schmerzen beim Sex in den Wechseljahren betreffen einen großen Teil der Frauen rund um die Menopause, auch wenn kaum jemand offen darüber spricht.
In der Medizin heißt dieses Beschwerdebild Dyspareunie: Schmerzen während oder nach dem Geschlechtsverkehr. Das Wort sagt noch nichts über die Ursache aus. Viele Frauen denken, mit ihnen stimme etwas nicht. Dabei reagiert ihr Körper häufig ganz nachvollziehbar auf eine hormonelle Veränderung. Nicht immer steckt allerdings nur der Östrogenmangel dahinter.
Die Zahlen der nordamerikanischen Menopause-Fachgesellschaft (heute The Menopause Society) zeigen, wie verbreitet das ist: Das genitourinäre Menopausensyndrom betrifft je nach Untersuchung 27 bis 84 Prozent der Frauen nach der Menopause, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr gehören zu den Hauptbeschwerden. Trotzdem hatte in einer US-Befragung von 1.858 betroffenen Frauen die Hälfte nie eine Behandlung genutzt. In einer US-Studie mit 302 Frauen mit mittelschweren bis starken Beschwerden im Intimbereich nannten 60 Prozent den Schmerz beim Eindringen als belastendstes Symptom.
Wie der Östrogenmangel das Gewebe verändert
Östrogen ist in deiner Intimregion ein Pflegehormon. Es hält die Schleimhaut der Scheide gut durchblutet, dick, elastisch und feucht und unterstützt das saure Milieu, das vor Infektionen schützt. Bleibt der Spiegel nach der Menopause dauerhaft niedrig, wird die Schleimhaut dünner, trockener und weniger dehnbar. Mehr dazu im Artikel zu den Symptomen des Östrogenmangels.
Dass es gerade am Eingang wehtut, hat einen anatomischen Grund: Scheidenvorhof, Harnröhre und Blasendreieck entstehen aus demselben, besonders östrogenempfindlichen Gewebe. Deshalb treten Beschwerden beim Eindringen und an der Blase oft gemeinsam auf, mehr dazu im Beitrag zu Reizblase und wiederkehrenden Blasenentzündungen.
Der Scheideneingang kann enger werden, manchmal bildet sich auch die Klitoris zurück. Bei starker Ausprägung entstehen schon bei geringer Reibung feine Einrisse mit leichten Blutungen beim oder nach dem Sex. Auch wenn das zum GSM passen kann, solltest du solche Blutungen immer ärztlich abklären lassen, denn auch andere Ursachen sind möglich. Besonders ausgeprägt ist das GSM oft nach einer operativen Entfernung beider Eierstöcke und unter Aromatasehemmern nach Brustkrebs.
Scheidentrockenheit und Schmerz – wo der Unterschied liegt
Trockenheit und Schmerz haben oft dieselbe Ursache, die Gewebeveränderung. Fehlt die Gleitfähigkeit, entsteht Reibung, und die dünne Schleimhaut reagiert wie trockene, rissige Haut unter Belastung. Schmerz kann aber auch ohne Trockenheit auftreten: In einer kleinen Auswertung der US-Studie SWAN nannten 4 von 15 Frauen mit chronischen Vulvaschmerzen keine Scheidentrockenheit. Laut Menopause Society passen Beschwerden und Untersuchungsbefund nicht immer zusammen. Deshalb lohnt es sich, den Schmerz genauer einzuordnen.
Wo genau tut es weh? Den Schmerz richtig einordnen
Wo der Schmerz sitzt, wie er sich anfühlt und seit wann er besteht, sind die wichtigsten Hinweise, auch für deine Frauenärztin oder deinen Frauenarzt. Bestanden die Beschwerden schon vor der Menopause, ist eine andere Ursache als der Östrogenmangel wahrscheinlicher. Die Übersicht ersetzt keine Diagnose, hilft dir aber beim Sortieren:
- Am Scheideneingang beim Eindringen: typisch für ein GSM, möglich sind auch eine Vestibulodynie oder ein reflexhaft verkrampfter Beckenboden. Erster Schritt: Gleit- und Befeuchtungsmittel, eine lokale Hormonbehandlung nach ärztlicher Rücksprache.
- Brennen während oder nach dem Sex: Reibung an dünner Schleimhaut, reizende Produkte, Infektionen, seltener ein Lichen sclerosus. Erster Schritt: Produkte prüfen, bei anhaltendem Brennen abklären.
- Krampf oder „Wand“ beim Eindringen: unwillkürlich angespannter Beckenboden (Scheidenkrampf). Erster Schritt: ärztlich untersuchen lassen, danach oft Beckenboden-Physiotherapie.
- An der Klitoris: Rückbildung durch Östrogenmangel, eine Klitorodynie oder ein Lichen sclerosus. Erster Schritt: ärztlich ansehen lassen.
- Juckreiz, helle Hautstellen, Risse: möglicher Lichen sclerosus. Erster Schritt: ärztlich abklären, nicht selbst behandeln.
- Tief im Becken, im Unterleib oder am Schambein: passt nicht zum typischen GSM, das sich an Scheideneingang, Scheide und Harnwegen abspielt. Erster Schritt: zeitnah ärztlich abklären lassen.
Wenn es nicht (nur) der Östrogenmangel ist
Ähnliche Beschwerden können viele Ursachen haben. Die Menopause Society nennt unter anderem Hauterkrankungen wie Lichen sclerosus, Kontaktreizungen, Infektionen, Vulvodynie, chronische Beckenschmerzen und einen verkrampften Beckenboden. Manches besteht auch zusätzlich zum Östrogenmangel.
Vulvodynie in den Wechseljahren: Schmerz ohne erkennbare Ursache
Vulvodynie bedeutet nach der internationalen Fachdefinition von 2015: Schmerzen an der Vulva seit mindestens drei Monaten ohne klar erkennbare Ursache. Das GSM zählt nicht dazu, weil der Hormonmangel eine erkennbare Ursache ist. Sitzt der Schmerz nur am Scheidenvorhof, heißt er Vestibulodynie, an der Klitoris Klitorodynie. Er kann durch Berührung oder Eindringen ausgelöst werden oder spontan auftreten. Eine Vulvodynie kann auch neben einer erkennbaren Erkrankung bestehen, ein Östrogenmangel schließt sie also nicht aus.
In einer kleinen Auswertung der US-Studie SWAN (371 Frauen nach der Menopause, ein Studienzentrum) hatten 15 Frauen, also 4 Prozent, anhaltende Vulvaschmerzen, die nach einem Fragebogen zu einer Vulvodynie passten. Bei manchen begannen die Schmerzen unter einer Hormontherapie oder besserten sich darunter nicht. Wie du vorgehst, wenn eine Behandlung nicht anschlägt, erklärt unten das Expertenwissen.
Das Studienteam geht davon aus, dass eine Vulvodynie wahrscheinlich andere, hormonfreie Behandlungswege braucht. Laut internationaler Klassifikation kann sie mit einem überaktiven Beckenboden, anderen Schmerzerkrankungen sowie psychischen oder partnerschaftlichen Belastungen einhergehen. Ansatzpunkte sind etwa Beckenboden-Physiotherapie sowie Schmerz- und Sexualtherapie. Frag gezielt nach einer Praxis oder Sprechstunde mit Erfahrung in Vulvaerkrankungen.
Lichen sclerosus: wenn Juckreiz und helle Hautstellen dazukommen
Diese chronisch-entzündliche, nicht ansteckende Hauterkrankung betrifft nach einem Fachbericht zur deutschen S3-Leitlinie Lichen sclerosus schätzungsweise 3 Prozent der Frauen nach der Menopause; vermutlich sind es mehr, weil sie oft nicht erkannt wird. Leitsymptome sind Juckreiz und Brennen, oft mit einer Aufhellung der Haut. Später können Risse und ein engerer Scheideneingang entstehen, auch Sex kann schmerzen. Lichen sclerosus wird leicht mit Scheidenpilz, Blasenentzündung oder Herpes verwechselt. Er ist nicht heilbar, lässt sich aber nach ärztlicher Diagnose mit stark wirksamen Kortisonsalben deutlich lindern. Weil das Krebsrisiko an den betroffenen Hautstellen erhöht ist, solltest du neue Knoten, Verhärtungen oder nicht heilende Wunden zeitnah ärztlich ansehen lassen.
Scheidenkrampf: wenn der Beckenboden „dichtmacht“
Nach wiederholtem Schmerz kann sich der Beckenboden schon in Erwartung des Eindringens reflexhaft anspannen. Der Eingang wird enger, es tut noch mehr weh, und der Reflex verstärkt sich. Die Menopause Society spricht von einer provozierten Überaktivität des Beckenbodens, im Deutschen ist auch der Begriff Vaginismus geläufig. Mit Willensschwäche hat das nichts zu tun. Wie du gegensteuern kannst, liest du unten im Abschnitt zum Beckenboden.
Reizungen und Infektionen
Auch Pflege- und Gleitprodukte können reizen. Zu Zusätzen wie Aromen, Wärmestoffen oder Konservierungsmitteln gibt es laut Menopause Society kaum Sicherheitsdaten. Teste neue Produkte deshalb zuerst auf einer kleinen Hautstelle. Hält das Brennen an, lass ärztlich abklären, ob ein Scheidenpilz oder eine andere Infektion dahintersteckt.
Was wirklich hilft: Behandlungsoptionen Schritt für Schritt
Geht der Schmerz auf ein GSM zurück, lassen sich die Beschwerden laut Menopause Society meist wirksam behandeln. „Schritt für Schritt“ heißt dabei nicht, dass du erst alles Rezeptfreie ausprobieren musst: Bei leichten Beschwerden reichen Gleit- und Befeuchtungsmittel oft aus, bei deutlichen kannst du mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt gleich über lokales Östrogen sprechen, und beides lässt sich kombinieren. Auch die deutsche S3-Leitlinie zur Peri- und Postmenopause (AWMF 015-062) empfiehlt Gleit- und Befeuchtungsmittel allein oder zusammen mit lokalem Östrogen. Sie stammt in ihrer letzten gültigen Fassung von 2020 und war bis Ende 2024 gültig; seit Juni 2026 liegt eine überarbeitete Konsultationsfassung vor, die endgültige Fassung steht noch aus.
Wie die einzelnen Mittel wirken, wie sicher lokales Östrogen ist und welche Alternativen es gibt, erklärt ausführlich unser Ratgeber zur Scheidentrockenheit in den Wechseljahren. Hier geht es darum, was davon speziell gegen den Schmerz hilft.
Gleit- und Befeuchtungsmittel
Gleitmittel verringern die Reibung beim Eindringen und wirken sofort, Befeuchtungsmittel trägst du meist zwei- bis dreimal pro Woche unabhängig vom Sex auf. Brennt es trotz Gleitmittel, kann das am Produkt liegen: Manche wasserbasierten Gleitmittel sind stark konzentriert (hyperosmolar) und schädigten in Laborversuchen Schleimhautzellen. Worauf du bei den Inhaltsstoffen achten kannst, zeigt unser Gleitmittel-Vergleich mit Inhaltsstoff-Check.
Lokales Östrogen
Lokales Östrogen ist die am besten untersuchte Behandlung und setzt an der dünnen Schleimhaut selbst an. Bei Schmerzen am Eingang lässt sich eine Creme nach ärztlicher Verordnung auch direkt auf Vulva und Scheidenvorhof auftragen; bis der Schmerz beim Sex spürbar nachlässt, vergehen oft ein bis drei Monate. Nach Brustkrebs entscheidest du darüber gemeinsam mit dem onkologischen Team; Darreichungsformen, Sicherheit und die Besonderheiten nach Brustkrebs erklärt der Ratgeber zur Scheidentrockenheit.
Weitere Möglichkeiten: Prasteron und Ospemifen
Zwei weitere verschreibungspflichtige Mittel linderten in zwölfwöchigen Studien auch Schmerzen beim Sex: Prasteron (DHEA) als Vaginalzäpfchen und Ospemifen als Tablette. Ospemifen ist ein selektiver Östrogenrezeptor-Modulator, also kein Hormon, wirkt aber über Östrogenrezeptoren; es ist in der EU zugelassen, in Deutschland derzeit aber nicht im Handel. Nach einer Brustkrebserkrankung, auch einer früheren, oder bei Verdacht darauf darf Prasteron laut EU-Fachinformation nicht angewendet werden; Ospemifen ist bei bestehendem oder vermutetem Brustkrebs, auch während der Nachbehandlung, ausgeschlossen. Einzelheiten findest du im Ratgeber zur Scheidentrockenheit.
Beckenboden: entspannen statt nur kräftigen
Ist der Beckenboden durch den Schmerz verspannt, stehen Wahrnehmen und Loslassen im Vordergrund, nicht das Kräftigen. Dabei kann eine Beckenboden-Physiotherapie helfen, die dir deine Frauenärztin oder dein Frauenarzt verordnen kann, bei engem Eingang ergänzt durch Dilatatoren in aufsteigenden Größen, die du mit Gleitmittel und ohne Schmerz einführst. Oft ist es sinnvoll, vorher das Gewebe medikamentös aufzubauen. Die US-Leitlinie stützt die Physiotherapie bisher nur auf Expertenmeinung. Eine einfache Übung zum Loslassen und das Training zur Kräftigung, etwa bei zusätzlicher Blasenschwäche, findest du im Beitrag Beckenboden stärken in den Wechseljahren. Beim Loslassen können dir außerdem Entspannungstechniken wie Atemübungen helfen.
Vaginallaser: Warum Leitlinien zurückhaltend sind
NICE rät von Vaginallasern bei urogenitalen Beschwerden ab, außer im Rahmen randomisierter Studien. Laut US-Leitlinie von 2025 stützt die Evidenz weder CO₂- noch Er:YAG-Laser oder Radiofrequenz, und die Menopause Society fand 2020 zu wenige placebokontrollierte Studien für eine Empfehlung. Frag bei Angeboten deshalb nach Studien und Kosten.
Was ist gut belegt, was nicht? Die Evidenz auf einen Blick
Wie gut Gleit- und Befeuchtungsmittel, lokales Östrogen, Prasteron und Ospemifen untersucht sind, ordnet der Ratgeber zur Scheidentrockenheit ein. Für die Ansätze, die speziell beim Schmerz ansetzen, sieht die Studienlage so aus:
- Plausibel, erste Studiendaten: Beckenboden-Physiotherapie. In einer kleinen randomisierten Studie mit 42 Frauen zwischen 40 und 60 Jahren, die seit mindestens sechs Monaten Schmerzen beim Geschlechtsverkehr hatten, linderten fünf Sitzungen mit Wärme zur Entspannung, myofaszialer Lösung und Training des Beckenbodens den Schmerz deutlich stärker als eine Vergleichsbehandlung an unterem Rücken und Hüftmuskulatur.
- Plausibel, kaum untersucht: Dilatatoren in aufsteigenden Größen bei engem Eingang oder Scheidenkrampf. Sanfte Dehnung oder regelmäßiger Sex sind laut Menopause Society nicht durch Studien gestützt.
- Nicht empfohlen bzw. nicht belegt: Vaginallaser (NICE: nur in Studien) und Radiofrequenz (US-Leitlinie: Evidenz stützt sie nicht).
Mehr als Körperchemie: Lust, Nähe und der Kopf
Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sind selten nur eine Frage der Hormone. Wer Schmerz erwartet, spannt sich oft schon vorher an, und auch die Lust kann darunter leiden. Ansatzpunkte sind mehr Zeit für Erregung, Intimität ohne Eindringen und dass du Tempo und Tiefe selbst bestimmst.
Dazu gehört, offen anzusprechen, was wehtut und was sich gut anfühlt, statt den Schmerz still auszuhalten. Wie du das Thema mit deinem Partner oder deiner Partnerin ansprechen kannst, zeigt unser Beitrag Wechseljahre dem Partner erklären, Anregungen für die Beziehung insgesamt findest du unter Beziehung und Partnerschaft in den Wechseljahren. Wie Hormone die Lust beeinflussen, erklärt unser Beitrag zu Sexualität und Hormonen. Wann eine Sexualberatung sinnvoll ist, liest du im Artikel zum Libidoverlust in den Wechseljahren. Bei einem männlichen Partner können sich mit den Jahren ebenfalls Lust und Erektion verändern; was hinter der sogenannten Andropause steckt, erklärt unser eigener Beitrag.
Wann du ärztlichen Rat suchen solltest
Anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sind ein guter Grund für einen Termin, nicht erst, wenn es kaum noch geht. Diese Entscheidungshilfe zeigt dir, was du selbst tun kannst und wann es ärztlich weitergehen sollte:
- Selbst starten: verträgliches Gleitmittel beim Sex, Befeuchtungsmittel zwei- bis dreimal pro Woche, neue Produkte vorher auf der Haut testen, auf Aromen und Wärmestoffe verzichten.
- Zeitnah abklären: keine Besserung nach einigen Wochen Selbsthilfe oder nach etwa drei Monaten lokaler Behandlung, Schmerz ohne Trockenheit, Krampf beim Eindringen, Schmerz an der Klitoris, Juckreiz mit hellen Hautstellen, wiederkehrende Schmerzen tief im Becken oder am Schambein, Brustkrebs-Therapie.
- Immer und umgehend abklären: jede Blutung nach der Menopause, Blutungen nach dem Sex, Wunden, Knoten oder Geschwüre im Intimbereich, ungewöhnlicher Ausfluss.
- Sofort ärztliche Hilfe: plötzliche, starke Unterbauchschmerzen, eine starke Blutung oder Fieber mit Unterbauchschmerzen (außerhalb der Sprechzeiten 116 117, im Notfall 112).
So bereitest du den Termin vor
Notiere vorab, seit wann, wo und wann es wehtut, was du schon ausprobiert hast und welche Medikamente du nimmst, etwa Aromatasehemmer. Fragen zu Sexualleben und Partnerschaft gehören zur normalen Abklärung. Bei der Untersuchung werden Vulva und Scheideneingang angesehen, bei engem Eingang mit einem schmalen Spekulum und Gleitmittel. Ein Hormon-Bluttest ist für die Diagnose in der Regel nicht nötig, sie stützt sich auf Beschwerden und Befund. Hilfreich ist unsere Checkliste für den Arztbesuch.
Häufige Fragen zu Schmerzen beim Sex in den Wechseljahren
Sind Schmerzen beim Sex in den Wechseljahren normal?
Sie sind sehr häufig, aber nichts, was du hinnehmen musst. Anders als Hitzewallungen, die oft mit der Zeit nachlassen, schreitet das genitourinäre Menopausensyndrom ohne Behandlung meist fort. In den meisten Fällen lässt es sich wirksam behandeln.
Warum tut es vor allem beim Eindringen weh?
Der Scheidenvorhof reagiert besonders stark auf Östrogen. Fehlt es, wird der Eingang dünner, enger und weniger dehnbar, oft spannt sich zusätzlich der Beckenboden an. Gleitmittel lindert die Reibung im Moment, lokales Östrogen setzt an der Ursache an und lässt sich nach ärztlicher Verordnung als Creme auch direkt auf den Eingang auftragen.
Vulvodynie oder Östrogenmangel: Was steckt in den Wechseljahren dahinter?
Vulvodynie heißt: Schmerzen an der Vulva seit mindestens drei Monaten ohne klar erkennbare Ursache. Der Östrogenmangel ist dagegen eine erkennbare Ursache, wobei beides gleichzeitig vorliegen kann. Brennen ohne Trockenheit oder keine Besserung unter lokaler Hormonbehandlung sprechen für eine genauere Abklärung, am besten in einer Praxis mit Erfahrung in Vulvaerkrankungen.
Woher kommt das Brennen in der Scheide beim oder nach dem Sex?
Oft steckt Reibung an einer dünn gewordenen Schleimhaut dahinter. Auch stark konzentrierte Gleitmittel, Zusätze wie Aromen oder Wärmestoffe sowie Infektionen können brennen lassen, seltener ein Lichen sclerosus. Hält das Brennen an, lass es ärztlich abklären.
Was ist ein Scheidenkrampf und was hilft dagegen?
Gemeint ist eine unwillkürliche Verkrampfung des Beckenbodens beim Eindringen, auch Vaginismus genannt. Sie kann als Schutzreflex nach wiederholtem Schmerz entstehen. Nach einer ärztlichen Untersuchung helfen oft Beckenboden-Physiotherapie und schrittweise Dehnung mit Dilatatoren, häufig nachdem das Gewebe lokal aufgebaut wurde.
Wie schnell wirkt lokales Östrogen und ist es sicher?
Bis die Beschwerden spürbar nachlassen, vergehen laut Menopause Society oft ein bis drei Monate; nach dem Absetzen kehren sie häufig zurück. Verglichen mit einer systemischen Hormontherapie gelangt nur eine minimale Menge ins Blut, schwere Nebenwirkungen sind laut NICE sehr selten. Ob es für dich passt, entscheidest du mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt, nach Brustkrebs gemeinsam mit dem onkologischen Team.
Wann sollte ich mit Schmerzen beim Sex in die Praxis gehen?
Wenn sie anhalten, wiederkehren oder dich belasten. Blutungen nach dem Sex oder nach der Menopause, Wunden, Knoten oder ungewöhnlichen Ausfluss solltest du immer umgehend abklären lassen, wiederkehrende Schmerzen tief im Becken oder am Schambein zeitnah. Bei plötzlichen, starken Unterbauchschmerzen brauchst du sofort ärztliche Hilfe.
Expertenwissen: Wenn der Schmerz trotz Behandlung bleibt
Schmerz beim Eindringen hat mehr als eine Ebene. Östrogenrezeptoren sitzen laut Menopause Society nicht nur in der Schleimhaut, sondern auch an Nervenfasern in Scheide und Vulva; unter einer Östrogenbehandlung wurde eine geringere Dichte schmerzleitender Nervenfasern in der Scheide beschrieben. Dazu kommt die Muskulatur, also der oben beim Scheidenkrampf beschriebene Schutzreflex des Beckenbodens. Eine Behandlung, die nur die Schleimhaut erreicht, trifft deshalb nicht immer alle Ursachen.
NICE sieht vor, jede Behandlung nach drei Monaten zu überprüfen. Für diesen Termin helfen drei Fragen: Wurde das Mittel so angewendet wie verordnet, bei Schmerzen am Eingang auch dort, wo es wehtut? Ist der Beckenboden verspannt, sodass Physiotherapie und Dilatatoren dazukommen sollten? Und passt der Befund überhaupt zum GSM? Bei untypischem Befund oder wenn die Beschwerden unter lokalem Östrogen oder Prasteron (DHEA) nicht verschwinden, empfiehlt die Menopause Society eine Kultur zum Erregernachweis oder eine Gewebeprobe, denn dahinter können Vulvodynie, Lichen sclerosus oder eine Infektion stecken.
Bessern Behandlungen die Beschwerden nicht, sieht NICE eine Überweisung an Fachleute mit Erfahrung in der Menopause vor. Eine Behandlung, die nicht anschlägt, ist also kein Grund aufzugeben, sondern ein Hinweis, gezielter weiterzusuchen.
Wissenschaftliche Quellen
Die Inhalte zu Schmerzen beim Sex in den Wechseljahren stützen sich auf aktuelle medizinische Leitlinien, systematische Übersichtsarbeiten und Informationen von Fachgesellschaften. Stand: Oktober 2026.
- National Institute for Health and Care Excellence (2015, Update 2024, zuletzt geändert April 2026): Menopause: identification and management (NG23). Empfehlungen 1.5.5–1.5.20 zu urogenitalen Beschwerden, 1.9.2 und 1.9.3 zur Überprüfung der Behandlung.
- The North American Menopause Society, heute The Menopause Society (2020): The 2020 genitourinary syndrome of menopause position statement. Menopause 27(9):976–992.
- American Urological Association, SUFU, AUGS (2025): Genitourinary Syndrome of Menopause: AUA/SUFU/AUGS Guideline. Kaufman MR et al., J Urol 214(3):242–250.
- AWMF (2020): S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen, Reg.-Nr. 015-062 (Gültigkeit abgelaufen; Konsultationsfassung der Aktualisierung seit Juni 2026). Englische Fassung: Geburtshilfe und Frauenheilkunde 2021;81(6):612–636.
- Mitchell CM et al. (2018): Efficacy of Vaginal Estradiol or Vaginal Moisturizer vs Placebo for Treating Postmenopausal Vulvovaginal Symptoms. JAMA Internal Medicine 178(5):681–690.
- ISSVD, ISSWSH, IPPS (2015): Consensus Terminology and Classification of Persistent Vulvar Pain and Vulvodynia. Bornstein J et al., Fassung vom 23.01.2016.
- Mitro SD et al. (2016): Chronic vulvar pain in a cohort of post-menopausal women: Atrophy or Vulvodynia? Women’s Midlife Health 2:4.
- Schvartzman R et al. (2019): Physical Therapy Intervention for Women With Dyspareunia: A Randomized Clinical Trial. Journal of Sex & Marital Therapy 45(5):378–394.
- Pharmazeutische Zeitung (2025): Hochpotente Corticoide als erste Wahl. Bericht zur S3-Leitlinie Lichen sclerosus (AWMF 013-105, DDG/DGGG). Dazu Pharmazeutische Zeitung (aktualisiert 2020): Arzneistoffdaten: Ospemifen, Angaben zur Marktrücknahme in Deutschland (Dezember 2016).
- European Medicines Agency: EU-Produktinformationen zu Prasteron und Ospemifen, jeweils Abschnitt 4.3 (Gegenanzeigen), abgerufen am 16.10.2026.
Hinweis: Dieser Artikel ist sorgfältig recherchiert, ersetzt aber keine ärztliche Beratung. Lass anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen beim Geschlechtsverkehr ärztlich abklären, ebenso Brennen ohne Trockenheit, einen Krampf beim Eindringen, anhaltenden Juckreiz mit hellen Hautstellen oder wiederkehrende Schmerzen tief im Becken. Umgehend abklären lassen solltest du Blutungen nach der Menopause oder nach dem Geschlechtsverkehr, Wunden, Knoten oder Geschwüre im Intimbereich sowie ungewöhnlichen Ausfluss. Hormonbehandlungen, Prasteron und Ospemifen sind verschreibungspflichtig und gehören in ärztliche Begleitung. Bei plötzlichen, starken Unterbauchschmerzen, starker Blutung oder Fieber mit Unterbauchschmerzen erreichst du außerhalb der Praxiszeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, im Notfall den Notruf 112.
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