Wechseljahre beim Mann: Das Wichtigste auf einen Blick
- Keine Wechseljahre wie bei Frauen. Das Testosteron sinkt über Jahrzehnte langsam, einen abrupten Einschnitt wie die Menopause gibt es nicht.
- Ein echter Mangel ist selten. Mit Beschwerden betrifft er etwa 2 bis 6 von 100 Männern zwischen 40 und 79, oft stecken Übergewicht oder Diabetes dahinter.
- Am deutlichsten sind sexuelle Zeichen. Weniger Lust, seltener Morgenerektionen, Erektionsprobleme. Weniger Energie, Schlaf- oder Konzentrationsprobleme sagen allein wenig aus.
- Testosteron hilft nur bei nachgewiesenem Mangel. Dann vor allem bei Lust und sexueller Aktivität. Für Energie, Kraft und geistige Leistungsfähigkeit im Alter ist es nicht geeignet, bei Kinderwunsch tabu.
- Eine Gel-Therapie betrifft dich mit. Testosteron kann über Hautkontakt auf dich und auf Kinder übergehen.
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Andropause: Gibt es die Wechseljahre beim Mann wirklich?
Nicht so, wie du sie selbst erlebst. Mit „Andropause“ ist umgangssprachlich der langsame Rückgang des Testosterons bei Männern ab etwa 40 gemeint. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie stellt klar: Einen abgegrenzten hormonellen Einschnitt wie bei Frauen gibt es bei Männern nicht. In der europäischen EMAS-Studie, auf die sich die Leitlinie der European Association of Urology (EAU) stützt, lag das Gesamttestosteron pro Lebensjahr um etwa 0,4 Prozent niedriger, das freie, ungebundene Testosteron um etwa 1,3 Prozent.
Der Begriff „Andropause“ führt deshalb in die Irre, denn es pausiert und endet nichts. Fachleute sprechen von Late-onset-Hypogonadismus, einer spät einsetzenden Unterfunktion der Hoden. Die Diagnose setzt typische Beschwerden und wiederholt niedrige Werte voraus. Meist handelt es sich um einen funktionellen Mangel: Die Hormonachse ist gesund, wird aber durch Übergewicht, Krankheiten oder Medikamente gebremst (EAU).
Oft fallen dir Veränderungen bei deinem Partner genau dann auf, wenn du selbst mitten in den Wechseljahren bist. Dieser Artikel ist aus deiner Sicht als Partnerin geschrieben; die medizinischen Fakten gelten genauso für Männer, die selbst nachlesen.
Menopause und „Andropause“ im Vergleich
- Verlauf: Bei Frauen stellen die Eierstöcke ihre Hormonbildung über einige Jahre um, bis die Blutungen aufhören (wie die Wechseljahre bei Frauen verlaufen). Beim Mann sinkt das Testosteron über Jahrzehnte um Bruchteile eines Prozents pro Jahr.
- Fruchtbarkeit: Bei Frauen endet sie mit der Menopause; bis dahin ist eine Schwangerschaft möglich. Beim Mann gibt es kein solches festes Ende, auch wenn die Fruchtbarkeit mit den Jahren nachlässt.
- Wer ist betroffen: Jede Frau kommt in die Wechseljahre. Einen behandlungsbedürftigen Mangel mit Beschwerden haben laut EAU 2,1 bis 5,7 Prozent der Männer zwischen 40 und 79.
- Diagnose: Bei Frauen ab 45 wird sie laut NICE in der Regel ohne Labortest anhand von Alter, Zyklusveränderungen und Beschwerden gestellt; ein einzelner Hormonwert hilft in der Perimenopause wenig, weil die Werte stark schwanken (woran du die Perimenopause erkennst). Beim Mann braucht es dagegen Beschwerden plus mindestens zwei niedrige Morgenwerte.
- Behandlung: Bei Frauen kann eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren bei belastenden Beschwerden infrage kommen, als gemeinsame Entscheidung mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt. Beim Mann kommt Testosteron nur bei gesichertem Mangel infrage, nachdem Gewicht, Grunderkrankungen und Medikamente angegangen wurden.
Symptome: Was auf einen Testosteronmangel hindeutet und was eher nicht
Viele Ratgeber listen ein Dutzend Andropause-Symptome gleichrangig auf. Das führt in die Irre, denn die meisten sind unspezifisch.
Die deutlichsten Zeichen: Lust und Erektion
Die wichtigste Studie dazu ist die European Male Ageing Study (EMAS) mit 3.369 Männern zwischen 40 und 79 Jahren aus acht europäischen Zentren. Nur drei Beschwerden bildeten mit niedrigem Testosteron ein zusammengehöriges Muster: seltener Morgenerektionen, weniger sexuelles Verlangen und Erektionsstörungen. Die Forscher schlugen daraus als Mindestkriterien für einen Late-onset-Hypogonadismus vor: alle drei sexuellen Beschwerden zusammen mit einem Gesamttestosteron unter 11 nmol/l und einem freien Testosteron unter 220 pmol/l. In der Praxis arbeiten Ärztinnen und Ärzte mit etwas anderen Grenzwerten (mehr dazu im Abschnitt zur Diagnose).
Als eher typisch nennt die EAU-Leitlinie außerdem geringere Belastbarkeit, etwa Mühe, mehr als einen Kilometer zu gehen, sowie Niedergeschlagenheit, Antriebsmangel und Müdigkeit. Für dich heißt das: Sind vor allem Müdigkeit und Gereiztheit neu, Lust und Erektion aber unverändert, ist ein Testosteronmangel als alleinige Erklärung weniger wahrscheinlich. Ärztlich abklären lassen lohnt sich trotzdem, denn auch eine Depression oder eine Schlafapnoe kann dahinterstecken.
Häufig, aber unspezifisch
Als weniger spezifisch stuft die EAU Hitzewallungen, weniger Energie und Kraft, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme sowie Schlafstörungen ein. Sie kommen ebenso bei Stress, Schlafmangel oder einer Depression vor und dürfen nur im Gesamtbild beurteilt werden.
Bauchfett und niedriges Testosteron verstärken sich gegenseitig: Fettgewebe bremst die Hormonbildung, und niedriges Testosteron begünstigt Bauchfett (EAU). Auch Männer bekommen Osteoporose. Bei Osteoporose oder nach einem Knochenbruch bei leichtem Sturz schlägt die Endocrine Society vor, auch das Testosteron zu bestimmen; behandelt wird die Osteoporose laut EAU aber mit den üblichen Osteoporose-Therapien. Mehr zum Knochenschutz: Osteoporose in den Wechseljahren.
Hitzewallungen beim Mann
Typisch sind Hitzewallungen, wenn das Testosteron abrupt wegfällt, etwa bei einer Hormonentzugstherapie gegen Prostatakrebs. Der Krebsinformationsdienst nennt sie dort eine der Hauptnebenwirkungen: Je nach Medikament sind etwa 4 bis 8 von 10 Patienten betroffen, oft mit Schlafproblemen und starkem Schwitzen, vergleichbar mit Wechseljahresbeschwerden von Frauen. Mehr zum Mechanismus: wie Hitzewallungen entstehen.
Warum der Spiegel bei manchen Männern stärker sinkt
Das Alter selbst spielt laut EAU bis etwa 80 nur eine kleine Rolle. Mehr Gewicht haben Übergewicht, Begleiterkrankungen und Medikamente.
- Übergewicht und Typ-2-Diabetes: Fettgewebe bildet Entzündungsbotenstoffe, eigene Hormone und Östradiol. Diese Signale bremsen die Hormonsteuerung im Gehirn, sodass die Hoden weniger Anstoß zur Testosteronbildung bekommen. Das ist grundsätzlich umkehrbar, etwa durch Abnehmen (EAU). Etwa ein Drittel der Männer mit Typ-2-Diabetes hat niedrige Werte (Endocrine Society).
- Medikamente: Fast alle Opioide, also starke Schmerzmittel, unterdrücken ab einer Dosis, die 30 mg Methadon entspricht, die eigene Testosteronbildung (Endocrine Society). Auch Kortison, bestimmte Hormontherapien sowie Testosteron und Anabolika von außen, etwa aus dem Internet oder Fitnessstudio, bremsen die Hormonachse (EAU). Medikamente nie eigenmächtig absetzen, sondern ärztlich besprechen.
- Alkohol, Schlafmangel, Stress: Alkohol und Leberzirrhose führt die EAU als Ursachen auf. In einem Bericht der Pharmazeutischen Zeitung über Informationen der Endokrinologie-Gesellschaft nennt der Endokrinologe Sven Diederich zudem Schlafmangel und starken Stress.
- Akute Erkrankungen: Während und kurz nach einer akuten Krankheit sinkt der Wert vorübergehend. Dann soll nicht gemessen werden (EAU; Endocrine Society).
Wenn etwas anderes dahintersteckt
- Erektionsstörung als Herzsignal: Erektionsprobleme und Herz-Kreislauf-Erkrankungen teilen dieselben Risikofaktoren, beide hängen an gesunden Blutgefäßen. Die EAU wertet eine Erektionsstörung deshalb als möglichen Vorboten einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, umso mehr, je ausgeprägter und länger sie besteht. Zur Abklärung gehören Blutzucker, Blutfette und ein morgendlicher Testosteronwert.
- Depression: Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und Rückzug über Wochen können auf eine Depression hindeuten. Ausgeprägte depressive Beschwerden gehören laut EAU in eine übliche Depressionsbehandlung, auch bei niedrigem Testosteron.
- Schlafapnoe: Lautes Schnarchen mit Atemaussetzern und starke Tagesmüdigkeit gehören ärztlich abgeklärt. Eine unbehandelte schwere Schlafapnoe spricht zudem gegen Testosteron (Endocrine Society).
Diagnose: So wird ein Testosteronmangel festgestellt
Ein Mangel lässt sich nur aus Beschwerden und Blutwerten zusammen feststellen, einen Reihentest ohne Beschwerden empfiehlt die Endocrine Society nicht. Erste Anlaufstelle kann die Hausarztpraxis sein, danach Urologie, Andrologie oder Endokrinologie.
- Beschwerden schildern: Lust, Morgenerektionen, Erektion, Belastbarkeit, Stimmung, dazu Medikamente, Alkohol, Gewicht und Schlaf.
- Blut richtig abnehmen: morgens zwischen 7 und 10 Uhr, nüchtern, nicht während oder kurz nach einer akuten Erkrankung (EAU).
- Wiederholen: Liegt das Gesamttestosteron unter 12 nmol/l (3,5 ng/ml), wird an einem anderen Tag erneut gemessen. Vor Beginn einer Therapie sollen immer mindestens zwei Messungen vorliegen (EAU).
- Ursache eingrenzen: Bei niedrigem Wert folgen meist LH, FSH und Prolaktin, bei Bedarf auch das Bindungseiweiß SHBG. Aus SHBG, Gesamttestosteron und dem Bluteiweiß Albumin lässt sich das freie Testosteron berechnen (EAU).
Zur Einordnung, nicht zur Selbstdiagnose: In der deutschen Praxis gilt ein Mangel als gesichert, wenn das Gesamttestosteron an zwei Morgen unter 8 nmol/l liegt. Zwischen 8 und 12 nmol/l liegt ein Graubereich, in dem das berechnete freie Testosteron weiterhilft (Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, AkdÄ).
Die häufigsten Messfallen
- Nach dem Frühstück gemessen: Nicht nüchtern kann der Wert um mehr als 30 Prozent zu niedrig ausfallen (EAU).
- Nach der Nachtschicht gemessen: Der Tagesrhythmus des Testosterons folgt dem Schlaf, deshalb wird bei Schichtarbeit nüchtern nach ausreichendem Schlaf gemessen (EAU).
- Speicheltest für zu Hause: Davor warnt die Endokrinologie-Gesellschaft.
Was hilft bei der Andropause? Behandlung ehrlich eingeordnet
Zuerst: Gewicht, Bewegung, Grunderkrankungen
Bei Übergewicht stehen laut EAU (starke Empfehlung) Lebensstiländerungen und Abnehmen an erster Stelle. Kalorienreduktion und Bewegung heben das Testosteron zwar nur um etwa 1 bis 2 nmol/l, setzen aber an der häufigsten Ursache an und verbessern laut EAU auch die sexuelle Funktion. Allerdings sind 60 bis 86 Prozent des abgenommenen Gewichts nach drei Jahren wieder da. Es zählt, was dauerhaft in den Alltag passt.
Krafttraining ist kein Testosteron-Booster, hilft aber, Muskeln und Knochen zu erhalten. Vielleicht habt ihr Lust, gemeinsam in Bewegung zu kommen; für dich selbst passt dazu Krafttraining in den Wechseljahren. Vor frei verkäuflichen „Testosteron-Boostern“ warnt die Endokrinologie-Gesellschaft.
Testosterontherapie: was sie kann und was nicht
Die Testosteronersatztherapie, oft TRT abgekürzt, wurde in den Testosterone Trials geprüft: 790 Männer ab 65 mit niedrigem Testosteron und passenden Beschwerden erhielten ein Jahr lang Testosteron-Gel oder Placebo. Zusammen mit der EAU-Leitlinie ergibt sich diese Einordnung:
- Belegt, mäßiger Effekt: mehr sexuelle Aktivität und mehr Lust. Die Erektionsfunktion besserte sich in den Testosterone Trials, in der späteren TRAVERSE-Studie dagegen nicht (EAU). Bei gesichertem Mangel und leichter Erektionsstörung ist Testosteron laut EAU die erste Wahl.
- Kleiner Effekt: Stimmung und leichte depressive Beschwerden besserten sich etwas; die Studienautoren selbst sprechen von einem leichten Vorteil.
- Nicht belegt oder nicht empfohlen: mehr Energie (kein Vorteil gegenüber Placebo), längere Gehstrecke (Hauptziel verfehlt). Die EAU rät stark davon ab, Testosteron für geistige Leistungsfähigkeit, Vitalität oder Kraft im Alter einzusetzen, und schwach davon, es zum Abnehmen oder für den Stoffwechsel zu nutzen.
Üblich sind ein Gel zum Auftragen oder eine Depotspritze in den Muskel; Tabletten gelten als nahezu überholt (AkdÄ). Für einen Therapieversuch bevorzugt die AkdÄ Gele; bringt er nach sechs bis zwölf Monaten keine Besserung, wird abgesetzt. Liegt eine Erkrankung von Hoden oder Hirnanhangsdrüse zugrunde, ist die Behandlung dagegen in der Regel dauerhaft (AkdÄ). Die Endokrinologie-Gesellschaft bringt es auf den Punkt: Testosteron ist kein Lifestyle-Mittel, sondern ein lebenswichtiges Hormon.
Risiken, Gegenanzeigen und Kontrollen
Die TRAVERSE-Studie (2023) prüfte die Herzsicherheit: 5.246 Männer zwischen 45 und 80 Jahren mit Herz-Kreislauf-Erkrankung oder hohem Risiko, Beschwerden und zwei niedrigen Nüchternwerten erhielten Testosteron-Gel oder Placebo. Behandelt wurde im Mittel knapp zwei Jahre, beobachtet knapp drei Jahre. Tod aus Herz-Kreislauf-Ursache, nicht tödlicher Herzinfarkt oder Schlaganfall traten unter Testosteron nicht häufiger auf als unter Placebo (7,0 gegenüber 7,3 Prozent). Häufiger waren aber Vorhofflimmern, akutes Nierenversagen und Lungenembolien.
Häufigste Nebenwirkung ist ein Anstieg des Hämatokrits, also des Anteils roter Blutkörperchen; über 54 Prozent wird die Therapie angepasst oder unterbrochen (EAU). Testosteron von außen unterdrückt zudem die Spermienbildung, bei Kinderwunsch kommt es nicht infrage. Weitere Gegenanzeigen (EAU; Endocrine Society) sind unter anderem Prostata- oder Brustkrebs, ein auffälliger Tastbefund an der Prostata oder ein erhöhter PSA-Wert, der noch nicht urologisch abgeklärt ist, unzureichend behandelte Herzschwäche, Herzinfarkt oder Schlaganfall in den letzten sechs Monaten, unbehandelte schwere Schlafapnoe und eine Neigung zu Blutgerinnseln.
Kontrolliert werden Beschwerden, Testosteron und Hämatokrit nach 3, 6 und 12 Monaten, danach jährlich, dazu die Prostata (EAU). Männern ab 65 soll Testosteron laut Endocrine Society nicht routinemäßig, sondern nur nach ausführlicher Abwägung im Einzelfall verordnet werden.
Was das für dich als Partnerin bedeutet
Ansprechen, ohne zu diagnostizieren
Du musst nichts diagnostizieren, und „Andropause“ ist als Gesprächseinstieg eher ungünstig. Beschreibe lieber konkret, was dir auffällt, und schlage einen Gesundheitscheck vor: Blutdruck, Blutzucker, Blutfette, Schlaf, Medikamente. Das trifft die häufigsten Ursachen und nimmt Druck heraus. Du kannst auch anbieten, zum Termin mitzukommen.
Erektionsprobleme sind meist kein Zeichen fehlender Anziehung; häufig stecken körperliche Ursachen, Medikamente oder Stress dahinter. Unsere Tipps für gute Gespräche über deine Wechseljahre gelten umgekehrt genauso. Lässt bei euch beiden die Lust nach, findest du Hilfe, wenn auch deine Lust nachlässt, und eine Erklärung, wie Hormone Lust und Nähe beeinflussen. Was euch als Paar insgesamt trägt, steht im Beitrag über eure Beziehung in dieser Lebensphase.
Testosteron-Gel im gemeinsamen Haushalt
Bekommt dein Partner ein Testosteron-Gel, betrifft das auch dich: Das Hormon kann bei Hautkontakt, auch bei Intimkontakt, übertragen werden (EAU; Endocrine Society). Die britische Arzneimittelbehörde MHRA warnte 2023, dass Kinder nach wiederholtem Kontakt eine vorzeitige Pubertät und vergrößerte Genitalien entwickeln können. Bei Frauen kann ungewollter Kontakt zu vermehrtem Haarwuchs, tieferer Stimme und Zyklusveränderungen führen. Die Schutzregeln der Behörde:
- Nach dem Auftragen die Hände mit Wasser und Seife waschen.
- Die Stelle nach dem Trocknen mit sauberer Kleidung bedecken.
- Vor engem Hautkontakt die Auftragsstelle waschen, sobald die in der Packungsbeilage genannte Wartezeit vorbei ist.
- Bei Verdacht auf ungewollten Kontakt, vor allem bei Kindern, ärztlichen Rat einholen.
Das Gel deines Partners ist nicht für dich gedacht; auch dein eigenes Testosteron sinkt, folgt aber eigenen Behandlungsregeln. Mehr dazu, was dein eigenes Testosteron in den Wechseljahren macht.
Wann ärztliche Hilfe nötig ist
- Neue oder zunehmende Erektionsprobleme: ärztlich abklären lassen, auch wegen des Herzens.
- Plötzliche Atemnot oder Schmerzen in der Brust: sofort den Notruf 112 wählen. Unter Testosteron gilt das besonders, weil in der TRAVERSE-Studie häufiger Lungenembolien auftraten.
- Unter Testosteron neues Herzstolpern oder Herzrasen, ein einseitig geschwollenes, schmerzendes Bein: umgehend ärztlich abklären lassen.
- Anhaltende Niedergeschlagenheit oder Suizidgedanken: ärztliche Hilfe suchen. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 erreichbar. Bei akuter Gefahr sofort den Notruf 112 wählen.
- Dringende, aber nicht lebensbedrohliche Beschwerden außerhalb der Sprechzeiten: ärztlicher Bereitschaftsdienst unter 116 117.
Häufige Fragen zu den Wechseljahren beim Mann
Was bedeutet Andropause?
Andropause ist ein umgangssprachlicher Begriff für den langsamen Testosteronrückgang beim älteren Mann. Fachlich heißt ein Mangel mit Beschwerden und wiederholt niedrigen Werten Late-onset-Hypogonadismus. Anders als bei der Menopause endet nichts: In der EMAS-Studie lag das Gesamttestosteron pro Lebensjahr um etwa 0,4 Prozent niedriger, das freie Testosteron um etwa 1,3 Prozent (EAU).
Ab welchem Alter beginnt die Andropause?
Ein festes Andropause-Alter gibt es nicht. Ein langsamer Rückgang ist etwa ab 40 messbar, ein behandlungsbedürftiger Mangel wird mit dem Alter häufiger und betrifft zwischen 40 und 79 etwa 2 bis 6 von 100 Männern (EAU). Ein Ende wie bei der Menopause gibt es nicht; ein funktioneller Mangel kann sich aber bessern, wenn die Ursache behandelt wird, etwa durch Abnehmen.
Welche Symptome sprechen für einen echten Testosteronmangel?
Am deutlichsten sind weniger Lust, seltener Morgenerektionen und Erektionsstörungen. Weniger Energie, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme oder Hitzewallungen sind unspezifisch; Müdigkeit und Niedergeschlagenheit hängen zwar eher mit niedrigen Werten zusammen, haben aber viele andere Ursachen (EMAS; EAU). Gesichert ist ein Mangel erst, wenn zu den Beschwerden mindestens zwei niedrige, morgens und nüchtern gemessene Werte kommen.
Wie wird die Andropause behandelt?
Zuerst werden Übergewicht, Grunderkrankungen wie Diabetes und Medikamente angegangen. Ärztlich verordnetes Testosteron (Testosteronersatztherapie, TRT) gibt es nur bei gesichertem Mangel mit Beschwerden, meist als kontrollierter Therapieversuch: Bessert sich nach sechs bis zwölf Monaten nichts, wird es abgesetzt. Bei Erkrankungen von Hoden oder Hirnanhangsdrüse ist die Behandlung dagegen meist dauerhaft; bei Kinderwunsch kommt Testosteron nicht infrage.
Kann ein Mann seinen Testosteronspiegel natürlich erhöhen?
Am meisten bringt es, Übergewicht abzubauen, der Effekt ist mit etwa 1 bis 2 nmol/l aber moderat (EAU). Auch Schlafmangel, starker Stress und Alkoholmissbrauch können den Spiegel senken; in solchen Fällen können laut dem Endokrinologen Sven Diederich schon kleine Änderungen der Lebensweise helfen. Vor frei verkäuflichen „Testosteron-Boostern“ warnt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie; bei anhaltenden Beschwerden gehört der Wert ärztlich gemessen.
Gibt es einen „Frauenarzt für Männer“?
Ein direktes Gegenstück gibt es nicht. Erste Anlaufstellen sind die Hausarztpraxis oder eine urologische Praxis; auf Hormone und Fruchtbarkeit des Mannes spezialisiert ist die Andrologie, eine Zusatz-Weiterbildung für Fachärztinnen und Fachärzte der Urologie, Dermatologie oder Endokrinologie. Praxen in der Nähe findest du in der Arztsuche auf der Website arztsuche.116117.de.
Haben Erektionsprobleme immer mit Testosteron zu tun?
Nein. Erektionsstörungen teilen die Risikofaktoren von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und gelten als möglicher Vorbote, deshalb gehören sie ärztlich abgeklärt. Ohne Hormonmangel sind meist verschreibungspflichtige PDE5-Hemmer die erste Wahl; wer Nitrate nimmt, etwa gegen Angina pectoris, darf sie nicht anwenden. Liegt zusätzlich ein gesicherter Testosteronmangel vor, kann Testosteron Teil der Behandlung sein.
Expertenwissen: Warum ein niedriger Testosteronwert oft Folge ist und nicht Ursache
Die EAU nennt den funktionellen Testosteronmangel eine Ausschlussdiagnose: Erst müssen Erkrankungen von Hoden oder Hirnanhangsdrüse ausgeschlossen sein. Sie sind die Minderheit. Nach der Praxiserfahrung des Endokrinologen Sven Diederich (AkdÄ) besteht eine klare Indikation für Testosteron nur bei höchstens 5 Prozent der Männer, die sich wegen eines Testosteronmangels in der Praxis vorstellen.
Testosteron von außen kann den Laborwert normalisieren, behandelt aber nicht die Ursache. In TRAVERSE besserte Testosteron allein den Blutzucker bei Prädiabetes oder Diabetes nicht. In der T4DM-Studie, die Testosteron mit einem Lebensstilprogramm kombinierte, erkrankten dagegen weniger Männer an Typ-2-Diabetes (EAU). Knochenbrüche waren in einer TRAVERSE-Nebenauswertung unter Testosteron zahlenmäßig sogar etwas häufiger, obwohl es die Knochendichte erhöht. Ein niedriger Wert ist deshalb zuerst ein Anlass für einen gründlichen Gesundheitscheck, nicht automatisch für Hormone.
Wissenschaftliche Quellen
Die Inhalte zu den Wechseljahren beim Mann stützen sich auf aktuelle medizinische Leitlinien, große randomisierte Studien und Informationen von Fachgesellschaften und Behörden. Stand: Oktober 2026.
- European Association of Urology (2026): EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health. Ausgabe 2026, Kapitel 3 „Male Hypogonadism“ und Kapitel 5 „Management of Erectile Dysfunction“.
- Bhasin S, Brito JP, Cunningham GR et al., Endocrine Society (2018): Testosterone Therapy in Men With Hypogonadism: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab 103(5): 1715–1744.
- Wu FC, Tajar A, Beynon JM et al., EMAS Group (2010): Identification of late-onset hypogonadism in middle-aged and elderly men. N Engl J Med 363(2): 123–135.
- Snyder PJ, Bhasin S, Cunningham GR et al., Testosterone Trials Investigators (2016): Effects of Testosterone Treatment in Older Men. N Engl J Med 374(7): 611–624.
- Lincoff AM, Bhasin S, Flevaris P et al., TRAVERSE Study Investigators (2023): Cardiovascular Safety of Testosterone-Replacement Therapy. N Engl J Med 389(2): 107–117.
- Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Diederich S (2021): Differenzialdiagnostik und -therapie des männlichen Hypogonadismus. Arzneiverordnung in der Praxis, Ausgabe 1/2021.
- Medicines and Healthcare products Regulatory Agency, MHRA (2023): Topical testosterone (Testogel): risk of harm to children following accidental exposure. Drug Safety Update, 25.01.2023.
- Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum (2023): Hormontherapie bei Prostatakrebs. Aktualisiert am 30.01.2023.
- National Institute for Health and Care Excellence, NICE (2015, zuletzt aktualisiert 15.04.2026): Menopause: identification and management (NG23). Empfehlungen 1.3.1 und 1.3.4.
- Pharmazeutische Zeitung (2025): Keine Wechseljahre, aber Testosteronmangel. Bericht mit Aussagen der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, 05.06.2025.
Hinweis: Dieser Artikel ist sorgfältig recherchiert, ersetzt aber keine ärztliche Beratung. Testosteron gehört nur nach gesicherter Diagnose und unter ärztlicher Kontrolle in die Behandlung, niemals aus dem Internet oder dem Fitnessstudio. Erektionsstörungen sollten ärztlich abgeklärt werden, weil sie auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen hinweisen können. Bei Brustschmerz oder plötzlicher Atemnot wähle sofort den Notruf 112. Bei Suizidgedanken hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, bei akuter Gefahr der Notruf 112. Den ärztlichen Bereitschaftsdienst erreichst du unter 116 117.
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